Es sind kleine, niedliche Ungeheuer, die in diesem Bilderbuch plötzlich auftauchen und sich unmerklich über die ganze Wohnung verteilen. Vielleicht hätten die Eltern sie früher bemerkt, wenn sie nicht ständig gestritten hätten. Aber sie beschimpfen sich nur noch und bewerfen sich mit allem, was gerade zur Hand ist: Geschirr, Stricknadeln, durchgekaute Kaugummiklumpen. Nehmen nichts um sich herum wahr, haben sogar vergessen, dass sie einen Sohn haben. Erst als die Eltern umzingelt sind von riesigen, Zähne fletschenden Monstern, fällt ihnen ein, dass sie möglicherweise jemanden beschützen sollten.

Aber der kleine Peter braucht keinen Schutz vor den Ungeheuern, denn er ist ihr Schöpfer. Sie sind den Zeichnungen entsprungen, die er im Küchenspülenschrank an die Innenseite der Tür gemalt hat, jedes Mal wenn er sich vor den Streithähnen versteckt und die Ohren zugehalten hat. Zum Schluss aber hat er die Ungeheuer auf seine eigenen Eltern gehetzt, um dem Streiten Einhalt zu gebieten. Als er aber nun sieht, dass seine Eltern die gleichen schlechten Gefühle erleben wie er, dass sie Bauchschmerzen bekommen und sich im Schrank verstecken wollen, da lässt er seine Monstergarde abziehen. Aber nur gegen das Versprechen, dass der Ehekrieg durch Süßigkeiten, Kartenspiele und "jede Menge Witze" ersetzt wird.

Man darf es als Glücksfall sehen, dass der Verlag zu diesem Text des dänischen Erfolgsautors Morten Ramsland den hierzulande wenig beachteten Illustrator Vitali Konstantinov beauftragt hat. Sein nostalgischer, von seiner bessarabischen Herkunft, der russischen Schule und italienischen Vorbildern geprägter Zeichenstil mag auf den ersten Blick über seine hervorragende Bildarbeit hinwegtäuschen. Der in Deutschland lebende Künstler übernimmt vom Autor die konsequente Kindersicht, zeigt die Eltern so lange durch die ihren Schimpfwörtern entsprechenden Masken entstellt, bis sie sich endlich an Peter erinnern. Er zeigt die Fetzen, die fliegen, und fokussiert die Farbe, etwa auf das Blut, das fließt (auch wenn es nur Tomatensuppe ist). So machen Bild und Text gemeinsam offensichtlich, wie lebensbedrohlich das Streiten aus Peters Sicht wirklich ist und wie sein Aufhetzen der Monster, diese tröstliche Allmachtsfantasie, für ihn lebensrettend wird.

Bei drastischen Büchern für die Kleinen ist ein hoffnungsvolles Ende besonders wichtig. Daran schreiben und zeichnen beide Künstler: Ramsland lässt die Eltern auf Peters Forderungen eingehen, vermeidet aber jeden Anflug von Kitsch und hält die Monster im Spülenschrank in der Hinterhand – für alle Fälle. Konstantinov schließt seinen doppelten Erzählrahmen, indem das Hochzeitsbild der Eltern, das zu Beginn mit gesprungener Glasscheibe schief an der Wand hängt, nun prächtig neu gerahmt und heil im Hintergrund prangt. Das rosa Schlussbild mit Süßigkeiten und Kartenspiel entspricht der anfangs gezeigten Sehnsucht des Jungen. Nur unter dem Tisch liegen noch die Scherben und kleine Mau Mau spielende Ungeheuer als Mahnung – an alle Eltern.