Betont unauffällig, in Jeans und mit schwarzer Kunststoffbrille kommt sie die Treppe ihres zweistöckigen Lofts herunter. »Hi, I’m Jane.« Und doch ist gleich alles da, das Sexsymbol, die »Hanoi-Jane«, der Glamour einer Hollywood-Dynastie. Wir gehen ins Wohnzimmer, an einer Wand hängt Andy Warhols Jane-Fonda-Porträtserie, im Original. Aus der langen Fensterfront fällt der Blick auf Downtown Atlanta. Fonda schaut flatternd, sie wirkt sympathisch unsicher, beruhigt sich aber nach einer Weile. Neben ihr auf dem Sofa kugelt sich ihr kleiner weißer Hund, den sie während des Gesprächs hin und wieder krault.

DIE ZEIT: Mrs Fonda, bei der Einreise in die USA muss man den Grund des Besuchs angeben.

Jane Fonda: Und? Haben Sie zugegeben, dass Sie zu mir wollten?

ZEIT: Der Grenzbeamte sagte: »Jane Fonda? Die war in Vietnam. Sie hat sich mit den Feinden der Vereinigten Staaten eingelassen.«

Fonda: Ein Wunder, dass Sie noch ins Land gekommen sind.

ZEIT: Eigentlich wollte der Mann nur diskutieren. Am Ende fragte er, ob ich ihm bei der Ausreise ein Autogramm mitbringen könne.

Fonda: Oh, das sollten Sie auch tun.

ZEIT: Sind Sie eine nationale Figur?

Fonda: Offenbar. Mit allen Vor- und Nachteilen.

ZEIT: Die Zeitschrift American Heritage behauptete, keine andere Persönlichkeit verkörpere die amerikanische Kultur der letzten vier Jahrzehnte so wie Sie. Wie fühlt man sich als amerikanisches Phänomen?

Fonda: Ich stehe morgens auf, gehe ins Bad und putze mir die Zähne. Ich fühle mich als menschliches Wesen, was auch immer das bedeutet. Andererseits habe ich mein Leben während der letzten zehn Jahre besser verstanden, weil ich meine Autobiografie geschrieben habe. Ich konnte die einzelnen Bruchstücke zusammenfügen. Dabei entstand in der Tat eine Art Phänomen, das vielleicht auch wichtige amerikanische Strömungen spiegelt. Vorher habe ich einfach nur gelebt, ohne mich von außen zu betrachten.

ZEIT: Verstehen Sie die Reaktion des Grenzbeamten?

Fonda: Ich verstehe, dass ich wegen der kontroversen Dinge, die ich getan habe, in der Vorstellung mancher Amerikaner zu einem riesenhaften Monster geworden bin. Ich bin ein enormes Symbol für Verrat. Für Vaterlandsverrat, weil ich während des Krieges nach Nordvietnam gereist bin. Für Klassenverrat, weil ich für meine privilegierte Herkunft hätte dankbar sein sollen. Für Geschlechterverrat, weil ich plötzlich nicht mehr das Frauchen aus dem Film Barbarella war, das allen gefiel. Aber dieses Phänomen ist viel, viel größer als ich selbst.

ZEIT: Man hat Ihnen nie verziehen, dass Sie sich 1972 vor einem nordvietnamesischen Flugabwehrgeschütz fotografieren ließen.

Fonda: Ich habe in einem leichtsinnigen Moment einen furchtbaren Fehler begangen, der viele Amerikaner verletzt hat. Damals wie heute werden Menschen in den Krieg geworfen, in eine Situation, die für sie unerklärlich bleibt. Der Gegensatz zwischen dem, woran sie glaubten, und dem, was sie in diesen Kriegen erlebten, hat sie zerstört. Sie müssen sich irgendwie wieder zusammensetzen. Und ich bin sozusagen der Leim, der diese Menschen in ihrem Hass zusammenhält.

ZEIT: Wann haben Sie sich dazu entschlossen, Ihre Berühmtheit in den Dienst einer Sache zu stellen?