Eine erschreckende Zahl wird veröffentlicht, und das politische Berlin, das sich manchmal so schnell erregt, schweigt ganz einfach. Um 7,5 Prozent, schreibt das Bundeskriminalamt, stieg im Jahr 2006 die Zahl der Delikte in der Wirtschaftskriminalität.

In den rund 96.000 ermittelten Fällen entstand durch Betrug, Korruption oder Untreue ein Schaden von etwa 4,3 Milliarden Euro. Dabei bilden die Zahlen nur die Spitze des Eisbergs ab. Höchstens ein Fünftel aller kriminellen Akte kommt auch ans Tageslicht.

Wirtschaftskriminalität ist nicht bloß das Vergehen von Einzelpersonen, Anlagebetrügern zum Beispiel. Kriminelles Handeln ist in so manchem deutschen Unternehmen zum illegalen Normalzustand geworden. Schmiergeld bei Siemens, Korruption bei Volkswagen – vieles geht da. Ein Indiz: Gegen 18 der 30 Dax-Konzerne wurde in den Jahren 2005 und 2006 ermittelt. Oft ist diese Kriminalität organisiert, wie Experten sagen: Ganze Gruppen Eingeweihter arbeiten zusammen.

Und Polizei und Staatsanwaltschaft? Sind nicht völlig, jedoch oft weitestgehend machtlos. Die Strafverfolger benötigten, erstens, mehr qualifiziertes Personal. Ermittlungen dauern lange und enden oft ergebnislos, weil die Sachverhalte schon für Fachleute kaum zu durchschauen sind. Zweitens ist Wirtschaftskriminalität vielfach grenzüberschreitend – die Kooperation der Polizei aber ist es in der Regel nicht. Und drittens gilt kriminelles Handeln auf manchen Chefetagen nach wie vor allenfalls als Kavaliersdelikt.

Befördert wird diese Haltung noch durch die grundsätzliche Straffreiheit für Unternehmen. In Deutschland können nämlich nur Individuen, nicht aber Firmen bestraft werden. Andere Länder kennen ein echtes Unternehmensstrafrecht . In ihnen käme der Siemens-Konzern womöglich nicht mit einem Bußgeld von 201 Millionen Euro davon.