Rund ein- bis zweitausend Klimaforscher arbeiten unter normalen Umständen in Deutschland an einem guten halben Dutzend großen und vielen kleinen Instituten. "Wenn es Geld gibt, werden es plötzlich mehr", sagt Wolfgang Seiler. Der Meteorologe gehört seit 1967 zum harten Kern der Forscher, die sich mit den langfristigen Veränderungen von Chemie und Physik der Atmosphäre und Ozeane beschäftigen – inzwischen ist der Direktor des Instituts für Meteorologie und Klimaforschung in Garmisch-Partenkirchen emeritiert.

Noch nie war seine Zunft so populär. Immerhin hatte das Bundesforschungsministerium 255 zusätzliche Millionen Euro für die nächsten drei Jahre auf den Tisch gelegt, als die Szene sich im Mai zum ersten Klimaforschungsgipfel in Hamburg versammelte. Für welche Themen das Geld ausgegeben werden soll, wird am kommenden Dienstag in Berlin bekannt gegeben.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan möchte mit ihrem "Aktionsprogramm Forschung zum Klimawandel" vor allem die Entwicklung von Hightech-Lösungen zur CO2-Reduzierung und erneuerbare Energien fördern – in engen Kooperationen zwischen Wissenschaft und Industrie. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung in Sachen Globale Umweltveränderungen (WBGU), in dem einige der prominentesten Klimaforscher vertreten sind, will die zusätzlichen Millionen dagegen am liebsten von der Wissenschaft selbst verwaltet sehen und schlägt dafür die Gründung eines deutschen Exzellenz-Netzwerks Klima, Energie, Nachhaltigkeit vor. Die Anfangsbuchstaben der Aufzählung ergeben als Kürzel das Wort Denken.

Dieses Netzwerk soll nach britischem und niederländischem Vorbild "eine kritische Masse in der deutschen Forschung zum Klimawandel bilden und die bestehende Fragmentierung überwinden", schreibt der WBGU und schlägt fünf zentrale Themen vor. Neben der Klärung offener Fragen im Verständnis des Klimasystems und seiner künftigen Entwicklung sind dies vor allem die Anpassung an klimatische Veränderungen, die Verbreitung neuer Technologien zur Treibhausgasminderung, die Vorbereitung internationaler Klimaschutzverträge und die Erforschung des Beitrags, den die Zivilgesellschaft leisten kann.

Die naturwissenschaftlich ausgerichteten Grundlagenforscher und Techniker sind dafür kaum gefragt. Sehr viel mehr als bisher aber die Geisteswissenschaftler, Juristen, Politik- und Sozialwissenschaftler, Ökonomen, Psychologen und Pädagogen. "Wir müssen in den Köpfen etwas verändern", sagt Wolfgang Seiler. ASE