Bei Google geht ein Gespenst um. Nennen wir es die "Selbstvertreibung aus dem Paradies". Jonathan Belfer (Name von der Redaktion geändert), ein 25 Jahre alter Stanford-Absolvent mit Einser-Examen, hat sich dazu entschlossen, den Suchmaschinenbetreiber im kalifornischen Mountain View zu verlassen. Er tauscht seinen Job beim gefragtesten Arbeitgeber im Silicon Valley gegen die frugale Existenz eines Jurastudenten.

Dabei hatte er sich, um bei Google anzufangen, vor zwei Jahren einem Auswahlprozess unterworfen, gegen den die Zulassung an der Eliteuniversität Stanford wie ein gemächlicher Waldlauf wirkt. Die ersten Hürden waren zwei Gespräche am Telefon. Denen folgte die erste Vorstellung in Mountain View, dann eine weitere: zwei Tage Schweißarbeit mit sechs verschiedenen Befragern. Drei Aufsätze musste er schreiben, zum Beispiel: "Warum erlaubt Google Werbung für Pornografisches, aber nicht für Tabak?"

Einen Monat später kam das "vorläufige" Angebot, weil alle Verträge vom Topmanagement genehmigt werden müssen. Nach vier Monaten war er drin und hat seitdem nicht nur gut verdient, sondern auch seinen Job genossen, wie er freimütig zugibt. Warum will er dann gehen?

"Ich brauche mehr Bildung, ich will zurück an die Uni." Das ist alles? Na ja, da seien noch andere Gründe. Er fängt abstrakt an. "Google rekrutiert Leute aus Yale, aus Stanford, alles hochambitionierte Leute, die nach Ansehen streben." In der scharfen Konkurrenz, fügt er hinzu, kriege man nicht immer die Anerkennung, die einem für gute Arbeit gebühre, "dazu gibt es einfach zu viele von unserer Sorte".

Träfe das nicht für jedes Hochleistungsunternehmen zu? "Ja, aber Google vermarktet sich als eine Firma, wo jeder seine Talente ausleben könne. Wir sind eine Organisation, heißt es, wo du kreativ sein kannst, Tolles schaffen kannst."

Google ist der Marktführer bei Suchanfragen im Internet. Ein Unternehmen der Superlative. Die Aktie, die bei der Gründung 1998 (in einer Garage, wie es sich fürs Silicon Valley gehört), ein paar Cent wert war, liegt heute bei mehr als 600 Dollar, die Umsatzrendite bei unerhörten 25 Prozent. Drei Viertel aller US-Firmen, die im Internet werben, platzieren ihre Anzeigen bei Google – beim nächsten Wettbewerber Yahoo tut das nur ein Fünftel, und weit abgeschlagen folgt dahinter Microsofts Suchdienst MSN. Seit dem Börsengang 2004 hat sich die Zahl der Mitarbeiter versiebenfacht. Neuerdings verdoppelt sie sich jedes Jahr. Der jüngste Stand ist 14.000. Jeden Tag melden sich 3.000 Bewerber.