Wie die Maschinenbauer an der RWTH Aachen den Bologna-Prozess bewältigten. Eine Chronologie.

Der Auftrag

Reformer und Reformen kommen und gehen, doch das Leben geht seinen gewohnten Gang. An der renommierten Fakultät für Maschinenwesen der RWTH Aachen dachte man, dass alles schon nicht so arg kommen würde mit Bologna. "Wir haben das zunächst nicht besonders ernst genommen", erinnert sich Klaus Henning, Dekan dieser Fakultät und Professor für Informatik im Maschinenbau. Dann beschloss die nordrhein-westfälische Landesregierung 2004 noch unter rot-grüner Ägide, mit der Reform ernst zu machen und bis 2007/08 alle Studiengänge im Land auf die neuen Abschlüsse umzustellen: statt Magister und Diplom künftig nur noch Bachelor und Master, dazu ein System von "Credit-Points", das die Anerkennung von Studienleistungen international erleichtern sollte.

Die Aachener Maschinenbauer wollten Bologna zunächst aussitzen. "Auf rheinische Art", sagt Henning schmunzelnd. Etwa so, wie man es in den 1980er Jahren schon mit der wenig geliebten Order gemacht hatte, die Fakultäten in schlichte Fachbereiche umzubenennen. Listig nannte man sich einfach Fachbereich "Fakultät für Maschinenwesen". Der Trick funktionierte. Heute darf man sich wieder ganz offiziell als "Fakultät" bezeichnen.

Von der hohen Warte ihrer internationalen Reputation herab blickten die Maschinenbauer der RWTH recht gelassen auf das, was sich im Zuge von Bologna an Veränderungen in den deutschen Hochschulen anbahnte. Schließlich kann sich ein Diplom-Ingenieur aus Aachen überall in der Welt sehen lassen. Die Fakultät gilt als eine der besten Europas und ist, mit fast 1400 Studienanfängern und 50 Lehrstühlen, auch eine der größten des Kontinents. "Eigentlich sah bei uns niemand einen Grund, das Studium nach angelsächsischem Vorbild umzukrempeln und auf die Marke Diplom-Ingenieur zu verzichten", sagt Henning rückschauend. Schließlich sei das deutsche Maschinenbaustudium schon traditionell viel stärker strukturiert gewesen als etwa die geisteswissenschaftlichen Studiengänge. Warum dann noch eine Umstellung auf konsekutive Studiengänge? Eine Reform, die auf Jahre viele Kräfte binden würde? "Wir betrachteten das Diplom ohnehin schon seit den neunziger Jahren intern als grundständigen Masterabschluss ohne vorgeschalteten Bachelor." Und außerdem hatte man schon im Jahr 2000 vier Weiterbildungs-Masterprogramme in deutscher und englischer Sprache ins Studienprogramm aufgenommen und damit auf freiwilliger Basis die Internationalisierung vorangetrieben. "Es gab bei uns nicht wirklich einen Grund, das erfolgreiche Modell des Diplom-Ingenieurs abzuschaffen."