DIE ZEIT : Herr Professor Osterwalder, sind Sie vom Ergebnis der Exzellenzinitiative überrascht?

Konrad Osterwalder : Ja, ich bin allerdings überrascht. Nun liegen am Ende fast alle Exzellenzuniversitäten in Bayern und Baden-Württemberg, also in Süddeutschland. Das ist ein ziemlich extremes Resultat. Aber gut, wenn die akademische Entscheidung so ist, ist es spannend, dass die politische Seite nicht interveniert hat.

DIE ZEIT : Nun könnte man sagen: Diese Universitäten profitieren vor allem davon, dass es den entsprechenden Bundesländern wirtschaftlich gut geht.

Osterwalder : Natürlich. Auch an einer Universität bekommt man das, wofür man bezahlt. Auf der anderen Seite ist die FU Berlin eine der ärmsten Universitäten in Deutschland, und die hat es trotzdem geschafft. Es liegt also nicht nur am Geld.

DIE ZEIT : In den östlichen Bundesländern gibt es keine einzige Spitzenuniversität. Ist das nicht völlig ungerecht?

Osterwalder : Es kommt jetzt darauf an, wie die Exzellenzinitiative weitergeht. Wenn der Wettbewerb in fünf Jahren fortgeführt wird, haben Hochschulen wie die TU Dresden durchaus noch eine Chance. Wenn man die jetzigen Elite-Unis einfach weiter fördert, wird es problematisch. Die Gewinner können neben den paar Millionen vom Bund massive zusätzliche Unterstützung von privater Seite einwerben. Das könnte bei ihnen durchaus eine Aufwärtsspirale und bei allen anderen eine Abwärtsspirale in Gang setzen.

DIE ZEIT : Wie können die Universitäten reagieren, die nun leer ausgegangen sind; zum Beispiel jene, die im Osten Deutschlands liegen?

Osterwalder : Sie müssen über ihr Profil nachdenken. Eine Möglichkeit wäre, dass sie sich vornehmen, eine hervorragende Regional-Universität zu werden; eine, die nicht um jeden Preis im internationalen Wettbewerb stehen möchte, sondern eine, die höchst attraktiv für die lokale Studentenschaft ist. Das wäre sicher vernünftig. Dann würde man nicht von zwei Qualitätsklassen reden, sondern von zwei unterschiedlichen Ausrichtungen der Universitäten. Außerdem sollten sie sich auf mögliche Stärken besinnen und an denen weiterarbeiten.