Bessie Smith, die Kaiserin des Blues, war fast 1,80 Meter groß, äußerst kräftig und nicht weniger großzügig. Sang sie, konnte man jedes Mikrofon ausschalten. Sie mochte weder »trockene Martinis noch feuchte«, sondern nur Whisky, konnte mit dem Messer ebenso gut umgehen wie mit ihrer gewaltigen und doch so berührenden Stimme.

Hans-Jürgen Schaal komponiert auf knappem Raum atmosphärische, kluge und musikalisch treffende Porträts über die Großen des Jazz der zwanziger Jahre: von Jelly Roll Morton über Benny Goodman bis Cab Calloway. Dem Kenner zum Genuss, dem Novizen als Appetitmacher. Robert Nippoldt, Initiator und Illustrator, hatte schon in seinem Buch über Chicagos Gangster seine Leidenschaft für Information, Ironie und Kunst verwirklicht, nun zeichnet, schraffiert und arrangiert er die heißen Jahre des Jazz zu einem hochformatigen großen Bilderbogen aus Lageplänen der Clubs in Manhattan, Reiserouten von Sidney Bechet, Sonogrammen berühmter Stücke, Soziogrammen der Aufnahmesessions und 24 Porträts, kurz, eine höchst vergnügliche Mischung aus Statistik und purem Leben. Dass neben wunderbar saftigen Anekdoten sich dunkle Betrachtungen zum Verhältnis von Schwarz und Weiß im glorifizierten New York finden, macht das Buch auch zum Lehrstück über die verführerische Verquickung von Geschäft, Ressentiments und Musik.

Robert Nippoldt/Hans-Jürgen Schaal:

Jazz Im New York der wilden Zwanziger

Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2007 - 144 S.,

39,90 - mit Originalaufnahmen auf CD