Die Bildungsreform: ein absoluter Nebenschauplatz. Humane Asylgesetze: wohl ein peripheres Problem. Die Krankenkassen sind pleite, aber wen interessiert das schon angesichts der zentralen Frage, die da lautet: "Wird man sich auf ein neues Rauchergesetz einigen können?" Markant an dem Scheinproblem ist die ungeheure Emotionalität, mit der versucht wird, es nicht zu lösen. Wollen wir wirklich rauchfreie Fresslokale, wo unmittelbar nach dem Mahl gezahlt und gegangen wird? Entsteht so nicht ein verstecktes Versammlungsverbot für zunächst gemütliche, aber mit Dauer des Abends immer renitenter werdende Bürger? Bezeichnenderweise kaum zur Kenntnis genommen wurde die Entdeckung, dass Nikotin angeblich Alzheimer vorbeugt. Sollten sich militante Nichtraucher deshalb nicht glücklich schätzen, in Raucherlokalen passiv ihr Erinnerungsvermögen trainieren zu können, noch dazu kostenlos? Kein Qualm in Bars zu später Stunde bedeutet, sein Gegenüber klar und deutlich ausnehmen zu können – was allerdings nicht immer unbedingt von Vorteil sein muss. Und was kommt als Nächstes? Adipositas-Schutz? Darf man künftig gedankenverloren des Sozialministers Lieblingsverführung, das Punschkrapferl, genüsslich zu sich nehmen, wenn fettleibige Jugendliche zusehen? Steht Passivessen in der Konditorei nicht ursächlich in Zusammenhang mit Diabetes? Ist ein Kellner, der eine Sachertorte empfiehlt, nicht eigentlich als Dealer anzusehen? Sollte man also konsequenterweise nicht auch an ein Sterbeverbot denken? Da jeder einmal stirbt, muss man hierbei wohl auch von Suchtverhalten sprechen. Alfred Dorfer

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben