Wenn Frauen Geld anlegen, dann nicht an der Börse, sondern im Schuhgeschäft. Jedenfalls wenn man gewissen Kultserien Glauben schenkt, in denen Großstadtheldinnen halbe Monatseinkommen in High Heels investieren. Fragt man die Männer, dann stimmen sie diesem Klischee zu 75 Prozent zu. Dabei kaufen Frauen im Durchschnitt zwar ein paar Schuhe mehr im Jahr. Doch geben sie auch viel weniger für das Paar aus als Männer.

Das Vorurteil, Frauen seien in Fragen der Vorsorge und Kapitalanlage eher unbedarft, scheint unausrottbar. Und einige mehr oder weniger qualifizierte Studien unterstützen es auch noch. Drei Viertel aller Frauen kümmerten sich gar nicht um ihre Finanzen und verdrängten das Thema regelrecht, befand etwa eine bekannte Umfrage der Commerzbank. Nur 14 Prozent der Frauen würden "ambitioniert" mit ihrem Geld umgehen, hieß es darauf in der Presse.

Doch selbst die "ambitionierten" Anlegerinnen scheuten offenbar die attraktivsten Anlageformen, klagte der Fondsanbieter Fidelity. Wenn sie ihr Geld anlegten, setzten sie öfter auf sicherheitsorientierte und niedrig verzinste Produkte wie Tagesgeldanlagen. In Aktien und Fonds investierten sie dagegen viel seltener als Männer. So machten sie es sich "durch ein defensives Anlegerverhalten schwerer als nötig", ihr Geld zu vermehren. Sind Wertpapiere also Männersache – oder spricht hier die Branche, die ihre Produkte stärker an die Frau bringen will?

Männer täuschen oft nur Fachkenntnis vor

Aber es gibt auch Untersuchungen, die das Gegenteil behaupten: Wenn Frauen ihr Geld anlegen, dann in der Regel erfolgreicher als Männer, ermittelten Studien von Universitäten und Onlinebrokern, die Tausende Wertpapierdepots verglichen. Frauen erwirtschafteten deutlich mehr Rendite als Männer, zwischen 1,4 und neun Prozentpunkten. Auch weibliche Fondsmanager seien erfolgreicher als ihre Kollegen, sagt eine Untersuchung des Centre for Financial Research der Uni Köln. Warum? Weil Frauen seltener die Kardinalfehler begingen: Sie informierten sich vorab gut, hielten dann länger an getroffenen Anlageentscheidungen fest, schichteten ihr Geld nur halb so oft um und sparten dadurch viele Gebühren. Sind Frauen also die besseren Anleger, wenn sie sich denn um ihr Geld kümmern?

Im Grunde unterstreichen alle Ergebnisse eher den alten Leitsatz: Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast. Denn alle Studien lassen auch gegenteilige Deutungsmöglichkeiten zu. "Dass alle Frauen besser Geld anlegen, stimmt gar nicht. Die, die es tun, machen es besonders gut. Aber es trauen sich ja längst nicht alle", gibt Finanzberaterin Helma Sick von den Finanzfachfrauen, einem bundesweiten Zusammenschluss von Finanzberaterinnen, zu bedenken. Die Rendite-Studien erfassten schließlich nur aktive Anlegerinnen. Die sind aber keinesfalls die Regel.