Halbgötter und Halbwelt, Stars und Superreiche beehrten die Filmfestspiele von Cannes schon in den fünfziger Jahren. Und "charming Ted", der irische Fotograf Edward Quinn (1920–1997), lockte sie mit seiner Kamera an. Mehr als 100.000 Negative umfasst sein Nachlass, annähernd zweihundert seiner schönsten Schwarz-Weiß-Bilder präsentiert der Band Riviera Cocktails . So wie der Betrachter die Prominenz und sie sich selbst am liebsten sieht, hat sie der Mann mit der Leica und der Rolleiflex abgelichtet: Bereitwillig, wenn auch ein wenig grimmig, gibt Cary Grant Autogramme; Liz Taylor (unser Bild) zeigt sich mit Söhnen und Hunden. Hier die Kraftpakete John Wayne, Marlon Brando und Lex Barker, die so furchtlos in die Kamera blicken wie in den Lauf eines Colts, dort Audrey Hepburn und Grace Kelly in feenhafter Unberührbarkeit. Und immer wieder der Verkleidungskünstler Picasso: mit Vatermörder und Melone oder der schwarzen Kappe des Matadors auf dem Kopf. Der Augenmensch Picasso vertraute dem Blick des Augenmenschen Quinn. Der behauptete zwar: "Das perfekte Foto gibt es nicht", doch sein Werk bewies das Gegenteil. CS

Edward Quinn: "Riviera Cocktail". Hrsg. Heinz Bütler und Gret Quinn; Vorwort Heinz Bütler; Verlag teNeues, Kempen 2007; 216 S., 78,– €