DIE ZEIT: Sie haben mit einem Forscherteam untersucht, wie sich die Verlängerungen des Erziehungsurlaubes, heute Elternzeit, seit 1979 auf die Karrieren der Mütter ausgewirkt haben. Was waren Ihre Fragen?

Uta Schönberg : Zunächst einmal, ob die Frauen die Erweiterungen auch annahmen und nach einer Verlängerung später auf den Arbeitsmarkt zurückkehrten als vorher. Das war tatsächlich bei jeder Reform der Fall. Das Ziel des Gesetzgebers, dass die Mütter mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen sollten, wurde immer erreicht. Die verlängerten Elternzeiten führten allerdings nicht dazu, dass danach wieder mehr Mütter auf den Arbeitsmarkt zurückkehrten.

DIE ZEIT: Woran liegt das?

Schönberg : Aus theoretischer Sicht ist es nicht eindeutig, ob ein längerer Erziehungsurlaub tatsächlich zu einer langfristig (also zum Beispiel drei Jahre nach der Geburt) höheren Erwerbsteilnahme führt. Einerseits erleichtert ein längerer Erziehungsurlaub die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Andererseits nutzen Mütter einen verlängerten Erziehungsurlaub auch aus und bleiben länger zu Hause. Und wer auf den Geschmack gekommen ist, will vielleicht auch danach noch mehr Zeit mit seinem Kind verbringen.

DIE ZEIT: Je länger die Frauen aus ihrem Beruf aussteigen, desto größer dürften beim Wiedereinstieg die Lohneinbußen sein.

Schönberg : Das fanden wir vor allem bestätigt, als der Erziehungsurlaub 1979 von zwei auf sechs Monate verlängert wurde. Danach hinkten die Löhne der Mütter noch fünf Jahre nach der Geburt des Kindes um etwa zwei Prozent hinterher. Auf diesem Niveau hielt sich das auch bei den späteren Verlängerungen des Erziehungsurlaubes.

DIE ZEIT: Lässt Ihre Studie Rückschlüsse darauf zu, wie lang die optimale Elternzeit sein sollte?

Schönberg : Nein. Dazu muss man auch die Auswirkungen auf die Kinder untersuchen. In etwa drei bis vier Monaten hoffen wir dazu auf Ergebnisse.

Interview: Thomas Röbke