Im Zuge der Vorbereitung auf die Euro 2008, die ja hauptsächlich in Österreich und peripher auch in der Schweiz stattfindet, wurde nun einen Tag lang ein Probespital eingerichtet. Unklar ist, ob dort Unverletzte probehalber echt behandelt wurden oder ob man echte Unfallopfer zulieferte, um den Ärzten eine Übungsplattform zu bieten. Da es nächstes Jahr nicht nur Fußballfans, sondern auch Schlachtenbummler geben wird, spricht man bereits von einem Feldlazarett. Das Völkerverbindende des Fußballs kommt hier zu voller Blüte, etwa wenn holländische und deutsche Fans Bett an Bett ihre Nasenbeinbrüche auskurieren, die sie einander noch kurz zuvor zufügten. Ob in den Behandlungszelten auch der Seelenschmerz der österreichischen Fußballbegeisterten gelindert werden kann, ist fraglich. Psychologische Betreuung wie nach Naturkatastrophen wird im Ernstfall, also nach Spielen des österreichischen Teams, wohl nicht zu umgehen sein. Auch an anderer Front wurde Interessantes für den Fußballfan entdeckt. Genforschern ist es nun gelungen, Mäuse zu züchten, die nicht nur stärker und aggressiver sind als ihre nichtmanipulierten Artgenossen, sondern auch Sex bis ins hohe Mausalter haben können und trotz enormer Nahrungsaufnahme schlank bleiben. Dieses Experiment könnte zu einem Durchbruch bei der Züchtung englischer Hooligans verhelfen, deren Bierbäuche seit je ein ästhetisches Problem darstellen. Für die Euro 2008 kommt das zwar zu spät, doch darf man sich künftig auf Massenschlägereien unter athletisch gebauten Menschen in den Stadien freuen.

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben