Dirk Wittenborn, der amerikanische Schriftsteller mit dem deutschen Namen, hat eine Biografie, als hätte Bret Easton Ellis sie sich ausgedacht: 1977 schrieb er seinen ersten Roman (Eclipse), 1983 den zweiten (Zoe); er war kurz sehr erfolgreich, er wurde kurz sehr gefeiert, er war kurz der Nächste Große Autor; es folgten Scheidung, Herzkrankheit, Drogen und Schreibkrise, bis er eine Operation knapp überlebte und den Neustart wagte. 2002 erschien sein Roman Unter Wilden auf Deutsch, ein Porträt der Superreichen der USA, seitdem zwei weitere (Catwalk und Bongo Europa) ; es waren unterhaltsame Exkursionen zu den Extremen unserer Zeit.

Vor ein paar Jahren nun hat Wittenborn in einem Interview gesagt, Zyniker seien enttäuschte Romantiker – ihm aber sei es gelungen, wieder zum Romantiker zu werden. Mit Casper, dem neuen Roman, scheint der konvertierte Romantiker nun zu neuen Weltanschauungen vorgedrungen zu sein.

Auf den ersten Blick fügt sich Casper in die Reihe einer bestimmten amerikanischen Literatur, die den klassischen Bildungsroman variiert und Familienchroniken mit zahlreichen Einblicken in die Tiefen und Untiefen der amerikanischen Gesellschaft erzählt. Meistens steht dabei eine verschrobene, aber liebenswerte Außenseiterfamilie im Mittelpunkt, die sich an ihrem Amerikanischen Traum reibt. Zum Vergleich werden in solchen Fällen gern Middlesex von Jeffrey Eugenides oder die Korrekturen von Jonathan Franzen herangezogen – aber es wäre nicht fair, Dirk Wittenborns Casper in diese Schublade zu stecken und sie einfach zuzuknallen.

Vielmehr hat Wittenborn ein Wesen geschaffen, das Buch zu nennen untertrieben wäre. Casper verfolgt den Leser, als hätte das Buch ein Eigenleben. Legt man es in die Küche, liegt es kurz darauf schon neben dem Bett, und gerade denkt man, ihm entkommen zu sein, da macht es sich plötzlich auf dem Schreibtisch breit oder schaut aus der Handtasche hervor.

Die Geschichte ist dabei relativ einfach. Der Psychologe William Friedrich, Vater von vier Kindern und Ehemann einer der ersten amerikanischen Hosenträgerinnen, unterrichtet in den fünfziger Jahren am Psychologischen Institut der Eliteuniversität Yale. Er forscht mit Psychopharmaka, um die Heilmethoden der Psychiatrie zu revolutionieren – vor allem aber, um ein besserer Mensch zu werden, was in Amerika bekanntermaßen bedeut, viel Geld zu verdienen. Ein aus dem Urwald stammendes Kraut scheint ihm das Wundermittel zu sein – Prozac ist noch nicht erfunden und Elektroschocks sind als Behandlungsmethode für die zahlreichen Nachkriegswahnsinnigen Amerikas üblich.

Caspar ist Amerikas Nemesis: Unsportlich, unappetitlich, unsozial