Selten wurde ein Weltmeister von der gesamten Schachwelt so einhellig begrüßt wie der 37-jährige Inder Viswanathan Anand, der in Mexico City das stärkste Turnier aller Zeiten von Anfang an dominierte und schließlich souverän mit einem Punkt Vorsprung vor seinem Vorgänger Wladimir Kramnik (Russland) gewann.

So hat der unangefochten beste Schnellschachspieler der Welt bewiesen, dass er es auch "langsam" kann – in Mexiko dauerten die Partien bis zu sieben Stunden.

"Es lief wie im Traum", sagte Anand.

Nächstes Jahr dürfen wir uns auf ein WM-Match Anand – Kramnik freuen, höchstwahrscheinlich in Deutschland, wo beide fest verwurzelt sind: Wladimir Kramnik in seiner "zweiten Heimat" Dortmund, Viswanathan Anand, der inzwischen gut Deutsch spricht, in Mainz.

"Anand bringt den Titel heim ins Mutterland des Schachs", jubelte Indien, wo das Schachspiel wohl vor circa 1500 Jahren "erfunden" wurde. Als der mehrfache Sportler des Jahres vor sieben Jahren erstmals Weltmeister wurde, empfing ihn der Ministerpräsident, und in seiner Heimatstadt Madras wurde ihm ein Haus geschenkt. – Mal schauen, was es diesmal zur Bescherung gibt.

"Anand" bedeutet übrigens endlose Freude. Diese wird, wie der Dichter sagt, Sterblichen ja gemeinhin nicht zuteil. Aber "Vishy", wie ihn alle Welt nennt, wäre wohl auch mit einer Annäherung zufrieden.

Sehen Sie in unserem heutigen Diagramm, mit welch schönem, "geometrischem" (Opfer-)Entscheidungszug er als Weißer den Russen Alexander Morosewitsch zur sofortigen Aufgabe bewegte, weil sein freier e-Bauer unaufhaltsam zu einer neuen Dame geeilt wäre?

Helmut Pfleger

Lösung aus Nr. 45:
Mit welcher Täuschung kann der Weiße am Zug doch ein Remis erzwingen? Sowohl 1.a6 Kc6 als auch 1.Ke8 h5 führen zum Verlust. Doch mit 1.Kc8!! Kc6 2.Kb8!! Kb5 3.Kb7!! Kxa5 4.Kc6 h5 5.Kd5 hält der sich anfangs vom schwarzen Freibauern entfernende (!) weiße König diesen doch noch auf