Was Sie sagen ist richtig, aber die Begründung ist falsch: Mit der Erdbeschleunigung hat die Sache nichts zu tun.

Es geht um eine andere Größe, die sich auch gut ins Dezimalsystem einfügt: den Luftdruck. Der beträgt auf Meereshöhe etwa 1013 Hektopascal (oder Millibar), früher sagte man dazu »eine Atmosphäre«.

Wenn man in einem Rohr durch Pumpen einen Unterdruck erzeugt, dann steigt darin das Wasser hoch. Aber nicht deshalb, weil es durch den Unterdruck »hochgezogen« wird, sondern weil der Luftdruck von außen das Wasser hochdrückt. Und das heißt: Selbst wenn im Rohr ein absolutes Vakuum herrscht, beträgt die Druckdifferenz maximal diese 1013 Hektopascal.

Je höher die »Wassersäule« ist, die man durch das Hochpumpen erzeugt, umso höher ist der Druck, den sie nach unten ausübt. Wann hält sich der mit dem Luftdruck die Waage? Ein Liter Wasser wiegt auf Meeresniveau 1 Kilopond, und das entspricht einer Kraft von 9,81 Newton (bei dieser Umrechnung kommt tatsächlich die Erdbeschleunigung ins Spiel). Damit der Luftdruck ausgeglichen ist, muss auf jedem Quadratzentimeter eine Kraft von 10,13 Newton lasten – das ergibt eine Wassersäule von 1,03 Litern, und die ist 10,30 Meter hoch.

Höher kann also, um ein anderes Beispiel zu verwenden, auch der stärkste Trinker keine Flüssigkeit durch einen Strohhalm saugen. Zum Glück gibt es Pumpen, die nach anderen Prinzipien konstruiert sind! Christoph Drösser

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