Jetzt möchte ich euch erzählen, wie es kam, daß es um ein Haar kein Buch über Pippi Langstrumpf gegeben hätte. Daran war der berüchtigte Räuber Assar Bubbla schuld, der mir meine braune Aktentasche gestohlen hatte. Es geschah in einer Straßenbahn, denn solche Fahrzeuge gab es früher noch in Stockholm, aber das alles liegt ja auch weit zurück.

An einem schönen Apriltag ging ich die Straße entlang, schwenkte vergnügt meine Aktentasche und dachte, was ist heute für ein schöner Tag! Dann stieg ich in die Straßenbahn und setzte mich auf einen freien Platz. Die Tasche stellte ich neben meinen Sitz.

Mir gegenüber saß ein dicker kleiner Kerl mit einem gelben Schnauzbart – Hilfe, wie tückisch er aussah und was für stechende Augen er hatte! Ich wußte ja nicht, daß es der berüchtigte Räuber Assar Bubbla war, sonst hätte ich bestimmt besser aufgepaßt. Wieso glotzt der mich bloß so an, dachte ich. Seine Augen waren irgendwie komisch. Er starrte mich an, ohne zu blinzeln, und plötzlich drehte sich mir alles im Kopf.

Damals wußte ich es noch nicht, aber hinterher erfuhr ich, daß Assar Bubbla hypnotisieren konnte. Und das bedeutet, daß er andere Leute dazu bringen konnte, ihm zu gehorchen, so daß sie das taten, was er wollte, wenn er sie nur lang genug anstarrte und dabei scharf an etwas dachte.

Und jetzt starrte er also mich an. Denn er wollte meine Aktentasche haben. Wahrscheinlich glaubte er, daß sie voller Schätze war. Oder "Kostbarlichkeiten", wie er es nannte, nein, er sagte nicht "Kostbarkeiten" wie andere Leute! "Kostbarlichkeiten sind irgendwie kostbarer, man kriegt mehr Geld dafür", behauptete er später auf der Polizeiwache, als dann alles aufgeklärt wurde.

Doch darüber wollen wir jetzt nicht reden, denn erst mal will ich erzählen, wie ich damals an jenem Apriltag hypnotisiert wurde.

Assar Bubbla saß, wie gesagt, da und glotzte mich an, und seine Gedanken flitzten mir geradewegs in den Schädel, kein Wunder, daß mir ganz komisch zumute wurde! Und dieser Schurke Assar Bubbla dachte: Erstens hast du deine Aktentasche gar nicht mitgenommen, als du von zu Hause weggegangen bist! Zweitens wirst du deine Aktentasche beim Aussteigen aus der Straßenbahn vergessen. Drittens hast du in deinem ganzen Leben noch nie eine Aktentasche gehabt. Und viertens – wie kann man sich bloß eine braune Aktentasche kaufen, wieso hast du keine schwarze genommen, du dumme Pute?

Völlig durcheinander und hypnotisiert stieg ich an der Haltestelle aus. Ohne Aktentasche! Irgendwie war ich jedoch beunruhigt, tief in mir spürte ich, daß etwas nicht stimmte. Aber dann sagte ich mir tröstend: Eine Aktentasche hab ich ja leider noch nie im Leben gehabt, und übrigens steht sie zu Hause im Flur und ist schwarz. Außerdem kriegt man ja alles, was man in der Straßenbahn vergißt, im Fundbüro wieder. Aber da nehme ich dann lieber eine braune…oder vielleicht doch eine schwarze…oder wieso eigentlich zur Abwechslung nicht mal eine braune? Was dann geschah, stellte sich ebenfalls erst beim Polizeiverhör heraus. Assar Bubbla schnappte sich nämlich meine Aktentasche und lief damit in seine verdreckte kleine Räuberhöhle, die in einer richtigen Bruchbude lag. Dort stapelten sich alle "Kostbarlichkeiten", die er gestohlen hatte und die die Polizei später in Verwahrung nahm.

Aber jetzt war er also mit meiner Aktentasche allein zu Hause. Bestimmt glaubte er, daß sie voller Sparbücher und Geldscheine oder gar "Jufehlen" war. Nein, er sagte nicht "Juwelen", wie es ja heißt, er sagte "Jufehlen". Und er hoffte jetzt natürlich, daß die ganze Tasche voller "Kostbarlichkeiten" und "Jufehlen" war oder daß darin doch wenigstens ein paar gute Wurstbrote lagen. Haha, aber da hatte er sich geschnitten! Das einzige, was in meiner Tasche lag, war ein Stenogrammblock. Stenogramm stand auch ganz deutlich darauf. Aber Assar Bubbla wußte nicht, was das ist, und er wußte auch nicht, daß ich alle meine Bücher in Stenographie schreibe.

Solche gekritzelten Schnörkel, das ist Stenographie, jawohl! Und jetzt ratet mal, was da in normaler Sprache stand!