Gerade hatten wir uns an den Aufschwung gewöhnt. Mancher hatte schon gehofft, wir könnten uns von der großen Reformanstrengung der vergangenen Jahre erholen – da gehen Beben durch die Weltwirtschaft, die auch in Deutschland zu spüren sind. Zwar wissen die Kaffeesatzleser der Konjunktur nicht genau, wie stark oder schwach die Wirtschaft im nächsten Jahr wachsen wird. Aber klar ist, dass sich dunkle Wolken bilden.

Zuerst merken es die deutschen Verbraucher, die mit steigenden Preisen zu kämpfen haben. Es schlägt auf die Konsumlaune, wenn E.on zum Jahreswechsel den Strompreis um fast zehn Prozent erhöht und die anderen Großversorger ähnliche Überraschungen parat haben. Da können die Politiker noch so heftige Drohungen gegen die Energiekonzerne ausstoßen – es zählt, was auf dem Kontoauszug steht.

Und auf den Schildertürmen der Tankstellen, die immer neue Preise ausweisen. "Der Einkaufsbummel fällt aus, ich war gerade tanken", jammern nicht wenige Autofahrer. Mit jeder neuen Krise im Mittleren Osten treiben die Spekulanten den Ölpreis in die Höhe, was die Mineralölkonzerne flugs in höhere Benzinpreise übersetzen. Und wie üblich folgt der Gaspreis dem Ölpreis auf dem Fuße.

Zwar führt der deutsche Aufschwung dazu, dass nach einem Jahrzehnt der Stagnation nun auch die durchschnittlichen Arbeitseinkommen wieder steigen. Doch was nutzen 100 Euro netto mehr im Monat, wenn wir sie bei RWE, Vattenfall oder Shell gleich wieder loswerden? Gerade Geringverdiener geben einen hohen Anteil ihrer Einkünfte für Energie aus.

Kein Ausweg für die Konsumenten, zumal sie darunter leiden, dass viele Lebensmittel teurer werden. Milch, Brot, Saft – allesamt Produkte, um deren Kauf vor allem Familien kaum herumkommen. Wir lernen die Unteilbarkeit der globalen Wirtschaft kennen. Die Chinesen, Inder oder Brasilianer produzieren zwar billig für alle Welt. Doch umso mehr Öl und Strom und Gas brauchen sie auch. Und umso besser und mehr wollen sie essen. Wenn die Menschen in den Industrieländern dann noch Biotreibstoff tanken, steigen die Preise für Getreide. Auf einmal spielt es doch eine Rolle, wenn in China der sprichwörtliche Sack Reis umfällt.

Quasi über Nacht hat sich auch die amerikanische Finanzkrise globalisiert. Zunächst bekamen die Deutschen das zu spüren, als zwei heimische Banken vor dem Aus standen, weil ihre Chefs bedenkenlos in das kettenbriefartige Geschäft mit amerikanischen Billighypotheken eingestiegen waren. Doch die langfristigen Wirkungen sind weit gravierender. Denn heute sind nicht nur die Riesenbanken in den USA so angeschlagen, dass zwei von ihnen bereits ihre Chefs feuerten. Auch hiesige Institute müssen ihre Bücher um Milliarden korrigieren und werden künftig Unternehmern zurückhaltender Kredit geben. Diese Investitionsmittel aber sind der Schmierstoff des Wachstums.

Außerdem eilen die Vereinigten Staaten einem Abschwung entgegen, dessen Mechanik in etwa so aussieht: Entweder sie lassen den Dollar ins Bodenlose fallen und entkommen mit etwas Glück der Konjunkturkrise. Oder sie stützen die Währung und ergeben sich der drohenden Rezession. In jedem Fall gilt, was der US-Notenbankpräsident Ben Bernanke gerade diplomatisch so fasste: Die Entwicklung der größten Volkswirtschaft der Welt schwächt sich merklich ab. Das trifft die deutschen Exporteure, deren Margen auch deswegen schrumpfen, weil der rapide steigende Euro-Kurs ihre Produkte in weiten Teilen der Welt teurer macht.