DIE ZEIT: Die rund 400 Biotechnologie-Firmen machten 2006 mehr als 600 Millionen Euro Verlust, die Neuinvestitionen der Risikokapitalgeber brachen um etwa 40 Prozent ein. Erst eine Handvoll Medikamente steht vor der Marktreife. Gleichzeitig heißt es immer wieder, die Branche berge große Chancen. Wie erleben Sie die Entwicklung?

Beate Raabe: Bei allen neuen Entwicklungen dauert es lange von der Forschung und Entwicklung bis zum marktfähigen Produkt. Das war bei den erneuerbaren Energien auch so. Und heute gehört das Thema "Installation von Solaranlagen" zur Grundausbildung von Heizungsmonteuren, Windräder sind für uns etwas Selbstverständliches. Bei der Biotechnologie sind wir noch sehr weit davon entfernt, dass sie im Alltag sichtbar ist. In Deutschland kommt hinzu, dass die ethisch-moralische Komponente viel stärker diskutiert wird als in anderen Ländern. Die Akzeptanz ist noch gering.

DIE ZEIT: Laut einer Studie des Forschungsministeriums steigt die Zahl der Beschäftigten deutlich. Allerdings stößt man immer wieder auf unterschiedliche Zahlen, wie viele Menschen in der Biotechnologie arbeiten – das reicht von 10000 bis 30000.

Raabe: Es ist auf jeden Fall eine fünfstellige Größenordnung unter 50000. Es ist ein kleines Segment, verglichen mit Branchen wie der Automobilindustrie, der Chemieindustrie als Ganzer oder der Gesamtheit der Ingenieure. Das ist auch nicht verwunderlich. Denn der ganze Bereich von Produktion und Vertrieb ist ja noch gar nicht ausgebildet. Die Biotechnologie findet beinahe ausschließlich in den Laboren statt.

DIE ZEIT: Welche Qualifikationen sind gefragt?

Raabe: Es gibt einige spezielle Studiengänge für Biotechnologie. Aber auch mit Biologie, Chemie, Medizin oder Pharmazie kommt man gut rein. Der Zugang ist relativ offen.

DIE ZEIT: Kann man angesichts der anfangs zitierten Zahlen diese Spezialisierung überhaupt empfehlen?

Raabe: Gewisse Unwägbarkeiten sind heute an fast allen Ecken des Arbeitsmarkts zu finden. Selbst wer nur ein, zwei Jahre in der Biotechnologie arbeitet, sammelt Erfahrungen in einem höchst innovativen Bereich – das macht ihn für die "normale" Pharmaindustrie interessant.

DIE ZEIT: Die Hälfte der Betriebe beschäftigt maximal zehn Mitarbeiter – ist das eher gut oder schlecht?

Raabe: Weder noch. Sondern einfach völlig normal in so einer Gründungsphase. Mit wie vielen Mitarbeitern wird wohl Werner von Siemens sein Unternehmen gestartet haben? Oder Bill Gates? Oder die Google-Gründer? Das wächst ja alles erst.