Salem

Charmant lächeln, zur rechten Zeit die Stirn in Falten legen, ab und zu ein wenig drohen, so kann es was werden mit einer Lösung im Kulturgüterstreit zwischen dem Land Baden-Württemberg und dem Adelsgeschlecht derer von Baden. Jedenfalls aus Sicht von Bernhard, dem Erbprinzen. Der älteste Sohn des Markgrafen Max überwindet sich in jeder Weise, um das Land Baden-Württemberg dazu zu bewegen, Schloss Salem zu kaufen. Im Gegenzug, so stellt man sich den Handel in Salem neuerdings vor, würde das Adelshaus alle Ansprüche auf wertvolle Handschriften und Bilder fahren lassen, deren Besitzrechte bislang ungeklärt sind.

Ende des Jahres wollen die Gläubigerbanken der Adelsfamilie Geld sehen, mindestens aber ein tragfähiges Konzept zur Entschuldung. Es geht um 30 Millionen Euro an Verbindlichkeiten, die angeblich bloß entstanden sind, weil die Markgräfler sich seit Jahren selbstlos um den Erhalt ihres Denkmalsitzes gekümmert haben. Nun ist die Not so groß, dass der 37-jährige Bernhard entschlossen mit jener eisernen Familienregel gebrochen hat, nach der alle Geschwätzigkeit von Übel sei. Sie stammt von Max Markgraf von Baden, einem stillen, stets grämlich wirkenden Netzwerker, der zu besten Zeiten in fast 50 Verbänden und Vereinen vom Rheinschifffahrtsverband bis zum Deutschen Roten Kreuz aktiv war. Wollten Journalisten früher etwas von ihm, beglückte ihn das so sehr wie die Nachricht, die Reblaus habe es sich in seinen Weinstöcken gemütlich gemacht.

An diese Tradition hat sich auch Prinz Bernhard gehalten, als er 1999 die Leitung der väterlichen Forst-, Fisch- und Weinbetriebe übernahm.

Wenn er einmal im Rahmen einer Weinprobe plauderte, dass er ganz hingerissen sei von Sauerkirschmarmelade, dann durften sich die Zuhörer schon glücklich schätzen. Nur einmal geriet der etwas bieder wirkende Bernhard böse in die Klatschpresse, als er, natürlich in geschlossener Gesellschaft, ein Hamburger Model heiratete (400 Gäste, keine Presse), eine Bürgerliche, von der später durch eine Indiskretion Unterwäschefotos auftauchten.

Welche Änderung nun: Schloss Salem öffnet seine Pforten den Fernsehteams. Bernhard präsentiert sich in Zeitungsinterviews und Talkshows, gescheitelt und mit tadellos gebundenem Krawattenknoten, als Celebrity mit Gewissen und betriebswirtschaftlichen Kenntnissen.

Ein Prozess mit dem Land Baden-Württemberg um die Kulturgüter, sagt er dann gern, wäre »verheerend«. Natürlich meint er: verheerend für alle.