Zu unserem großen Bedauern müssen wir einige Menschen um Verzeihung bitten, die den eleganten Attacken dieser Kolumne zum Opfer gefallen sind. Liebe Chaosforscher, hiermit entschuldigen wir uns für all die schönen Flegeleien, die wir aus unserem polemischen Füllhorn mit herzhaftem Vergnügen über euch ausgeschüttet haben. Jahrelang durften wir uns über eure Behauptung lustig machen, der Flügelschlag eines Schmetterlings löse am anderen Ende der Welt ein Erdbeben aus, weil in Gottes freier Natur alles mit allem zusammenhänge. Nun wissen wir: Es gibt euren Schmetterling wirklich. Er heißt Gisele Bündchen und ist das erfolgreichste Model der Welt. Dieser Tage hat die schöne Brasilianerin erklärt, sie werde ihre Verträge künftig nicht mehr in sinkenden Dollars, sondern nur noch in steigenden Euros abschließen. Meinen Sie, davon falle in Rio der Zuckerhut nicht um? Von wegen. Denn kaum war Frau Bündchens Entschluss der Finanzwelt zu Gehör gekommen, erklärte auch China, der Dollar werde »seine Rolle als Weltwährung verlieren«. Ins Fachchinesisch übersetzt heißt das: Bislang kaufte China unbegrenzt US-Staatsanleihen und subventionierte damit das amerikanische Konsumwunder. Die Amerikaner, so der Spiegel aus gut abgerichteten Kreisen, »bekommen Kinderspielzeug, Socken und Unterhosen geliefert, ohne dass die Chinesen im gleichen Umfang dafür US-Waren importieren«. Damit ist es nun aus und vorbei. Wie Gisele Bündchen, so wandert auch die chinesische Supermacht schlankweg aus dem Dollar-Raum ab. Deshalb, liebe Chaosforscher, ziehen wir den Hut vor euch. Kaum schlägt unser brasilianischer Schmetterling an der Copacabana zart mit seinen Flügeln, verwirbelt er die ökonomischen Luftmassen über China, woraufhin ein Orkan im Dollar-Raum losbricht und die Weltwährung müde in die Abstellkammer der Geschichte sackt. China geht, Amerika bleibt allein zu Hause, in gebrauchten chinesischen Unterhosen und löchrigen Socken. »Nachbestellungen nicht möglich, Produkt nur noch im Euro-Raum lieferbar.« In menschenleeren Wolkenkratzern kreisen Spielzeugautos sinnlos heulend zwischen Bündeln alter Socken. Nicht einmal die US-Truppen wollen noch heim, denn die Musik spielt woanders, in Old Europe, das von gigantischen Wellen chinesischer Unterhosen überspült wird, obendrauf George W. Bush, der seine Freundin Angela Merkel um Asyl anfleht. Mission accomplished. Frau Bündchen, retten Sie uns! Finis

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