Seit einem halben Jahrhundert schallt jeweils am zweiten Mittwoch des November der Ruf durch die Welt: "Der neue Beaujolais ist da!". Bei vielen Weintrinkern löst er einen ähnlichen Jubel aus wie in Bayern die Nachricht "O’zapft is!" Allerdings gibt es auch Spielverderber, die zusammenzucken, wenn ein solcher Ruf ertönt. So jubelten die Weintrinker in den letzten Jahren merklich weniger. Die allgemeine Emanzipation des Geschmacks hat die Freude am jungen Wein aus dem Beaujolais gedämpft.

Das Weinbaugebiet Beaujolais beginnt südlich von Macon und erstreckt sich bis kurz vor Lyon. Die Besonderheit der im Beaujolais wachsenden Weine ist die Beschränkung auf eine Traubensorte, die Gamay. Sie ergibt kurzlebige, fruchtige Rotweine mit wenig Säure, die ihre treuen Anhänger haben. Es war immer der Wein der Bistros in Paris und Lyon; er wird nach der Lese ruck, zuck gekeltert, hemmungslos angereichert und ohne Reifephase abgefüllt. So kann er schon im November als Beaujolais nouveau verkauft werden.

Seine Auslieferung wird als Ereignis gefeiert; seine Qualität von Kennern verachtet. 60 Prozent der gesamten Erntemenge wurden einst als "nouveau" verkauft und bis zum Februar des folgenden Jahres getrunken. Länger hält er sich nicht.

Es existieren aber auch Weine unter der Bezeichnung Beaujolais Villages. Die sind etwas robuster, aber immer noch billige Massenware. Und dann gibt es einige Crûs, also Weinlagen, wie Fleurie, Moulin-à-Vent, Julienas, Brouilly, Morgon und fünf weitere Lagen, die sich erheblich vom Rest der roten Gamay-Familie unterscheiden. Sie können sogar einige Jahre lagern und sind, was nur wenige wissen, wunderbare Begleiter zu den Gerichten des Beaujolais.

Manchmal, wenn ich an der Klobigkeit südfranzösischer Weine verzweifle, wenn die saure Magerkeit unreifer Barolos mir die Stimmung trübt und ich keinen anständigen Spätburgunder im Keller finde, sehne ich mich nach einem dreijährigen Fleurie. Er ist wunderbar fruchtig, ohne penetrant zu sein, und sein Alkoholgehalt hält sich in Grenzen, wenn er nicht chaptalisiert wurde. Ein Fleurie passt zu allen Hühnern, egal ob sie in Rot- oder Weißwein gegart wurden, zu kaltem Fleisch und Würsten und zu allen Innereien. Es gibt im Beaujolais viele Gerichte, die nach einem reifen Gamay verlangen. Leider ist guter Beaujolais ziemlich aus der Mode und deshalb schwer zu finden.