Bomb, bomb, bomb – bomb, bomb Iran«, sang John McCain auf einer Wahlveranstaltung plötzlich leise zur Melodie von Barbara Ann , dem alten Song der Beach Boys, und alle lachten herzlich. Im Internet wurde der Auftritt des republikanischen Präsidentschaftskandidaten schnell ein Hit, manche Laienband hat inzwischen ihre eigene Version auf die Videoplattform YouTube gestellt.

Bombenstimmung in einem Wahlkampf, der doch eben noch vom schrecklich misslungenen Irakfeldzug überschattet war? Noch kann niemand sagen, wie das Land aus dem Debakel im Irak herausfinden kann, da debattiert Washington bereits über den nächsten Krieg. Gerade hat der Senat die iranischen Revolutionsgarden zur terroristischen Organisation erklärt, hat die Regierung neue, harte Sanktionen gegen Teheran verhängt.

Wird der Boden bereitet für die nächste Intervention der Supermacht in ihrer Auseinandersetzung mit dem fundamentalistischen Islam? Wo stehen wir, fragt mancher, wenn wir die Situation heute mit der vor dem Irakkrieg vergleichen: im Herbst 2002, als die Bush-Administration längst zum Krieg entschlossen war, während die Weltgemeinschaft noch verzweifelt nach einem friedlichen Ausweg suchte?

Nein, so weit ist es noch nicht. Aber die kommenden Wochen werden entscheidend sein für den weiteren Verlauf des Atomkonflikts mit Iran. Es ist durchaus glaubwürdig, wenn Präsident Bush bei seinem Treffen mit Angela Merkel in Crawford sagt, er suche nach diplomatischen Lösungen und der Bundeskanzlerin versichert: »Wir arbeiten zusammen.« Die Frage ist, ob es dabei bleibt. Denn die Dinge entwickeln sich nicht zum Guten. Wer sich kundig macht bei denen, die an den Verhandlungen mit Iran unmittelbar beteiligt sind, stößt auf tiefen Pessimismus. »Die Nachrichten sind im Moment sehr schlecht«, heißt es.

Bis Ende November muss Mohamed ElBaradei, der Direktor der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien (IAEA), seinen Bericht vorlegen, in dem er Auskunft gibt über die Bereitschaft des iranischen Regimes, alle offenen Fragen zu seinem Nuklearprogramm zu beantworten. ElBaradei gehört zu den Besonnenen. Immer wieder hat er vor einer Konfrontation gewarnt. Er wolle von der Vorstellung wegkommen, dass Iran »eine unmittelbare Gefahr darstellt und dass wir nun vor der Entscheidung stehen, ob wir Iran bombardieren oder ihm erlauben sollen, die Bombe zu besitzen«, hat er in einem Interview mit Le Monde gesagt. »Wir sind überhaupt nicht in einer solchen Situation.«

Und doch wird sein Bericht kritisch ausfallen. Denn der zwischen Teheran und der IAEA im August beschlossene »Arbeitsplan«, in dem sich die Iraner zur Transparenz verpflichtet haben, wird dieses Versprechen nicht einlösen. Die ohnehin skeptischen Amerikaner, die in dem »Arbeitsplan« nichts anderes sahen als einen weiteren Versuch Irans, Zeit zu schinden, werden sich bestätigt sehen. Und ElBaradei wird einräumen müssen, dass sich seine Hoffnungen nicht erfüllt haben. Dieser Tage hatte er noch einmal nach Teheran reisen sollen; die Iraner haben ihn wieder ausgeladen.