Als John Coltrane zu seiner letzten Tournee in Japan landete und das Flugzeug verließ, war der Flughafen schwarz vor Menschen. Da drehte er sich auf der Gangway zu seinen Musikern um und sagte: »Es muss ein Prominenter an Bord gewesen sein.«

Dieser Mann hat das musikalische Universum des Jazz wohl weiträumiger abgeschritten als irgendjemand vor oder nach ihm. Er ist der Solitär, der aus Musik bestand, sein Saxofon im Stehen, Sitzen und Liegen spielte, den nichts so interessierte wie Musik, der sie atemlos vor sich hertrieb und ins Noch-Hörbare und Nicht-mehr-Hörbare erweiterte.

Der Musik verpflichtet, nicht dem Publikum, dem Strömen des Klang-Magmas ausgeliefert, nicht der Melodie, hat Coltrane sich immer tiefer in eine Welt vorgearbeitet, die zerrissen, dissonant und zuletzt herausfordernd, wenn nicht strapaziös zu hören ist. Und dennoch waren es Hunderttausende, die gleich nach Erscheinen das Album A Love Supreme (Impulse) erwarben, den Klassiker, voller unergründlicher Energie und Spiritualität.

Doch muss man sich vor Ohren halten: Coltranes Werke suchten keine Gefolgschaft, keine Nachahmer die sie unglücklicherweise so reichlich gefunden haben , sie unterhielten zuletzt eine Kommunikation mit dem Jenseitigen mehr als mit der Hörerschaft, waren musikalischer Gottesdienst auf eine hoch individuierte, innige Weise.

Vielleicht hatte McCoy Tyner recht, als er Coltranes berühmtes Quartett mit dem Satz verließ: »Das ist jetzt nur noch was für Experten.«

Seine Soli waren das technisch Avancierteste, das die Zeit je gehört hatte, das Publikum saß fassungslos. Eine musikwissenschaftlich versierte Hörerin transkribierte ein Solo und legte es Coltrane später mit der Bitte vor, es für sie vom Blatt zu spielen. Der studierte die Noten und reichte sie zurück mit den Worten: »Tut mir leid, das ist zu schwer.«

Dem Hunger nach Erfahrungen mit dem Urfeuerartigen der Improvisation begegnet niemand wie Coltrane. Doch auch auf der anderen Seite des Spektrums, dort, wo der größten Zerrissenheit mit höchster Sublimierung begegnet wird, wo Stücke sich in die Tiefe einer großen Einfachheit versenken, auch dort hat Coltrane mit Ballads (Impulse) einen Klassiker musikalischer Kontemplation hinterlassen, reine Transzendenz, in die zurückzukehren ich nie müde werde, so großherzig, so unerschöpflich ist diese Schlichtheit.