DIE ZEIT: Herr Professor Bos, als Sie vor vier Jahren die erste Grundschulstudie vorgestellt haben (siehe Wie gut können Viertklässler lesen?), hatten Sie gute Nachrichten: Deutschlands Viertklässler lagen bei der Lesekompetenz im internationalen Vergleich im oberen Drittel – während die in der Pisa-Studie getesteten 15-Jährigen im internationalen Vergleich nur Mittelmaß sind.

Wilfried Bos: Diesmal sind die Nachrichten noch besser. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland im oberen Viertel. In keinem Land der Europäischen Union können die Viertklässler besser lesen als in Deutschland.

ZEIT: Was ist mit dem Pisa-Sieger Finnland?

Bos: Finnland war an dieser Iglu-Studie nicht beteiligt.

ZEIT: Was ist mit England, Schweden und den Niederlanden, die letztes Mal vor uns lagen?

Bos: Die haben leicht abgebaut, während Deutschland sein Ergebnis verbessern konnte. Jetzt sind wir gleichauf.

ZEIT: Russland liegt an der Spitze der internationalen Tabelle.

Bos: Das russische Ergebnis ist aber statistisch nicht ganz sauber. Dort wurden nicht so viele Schüler getestet wie vorgeschrieben.

ZEIT: Der Verdacht liegt nahe, dass das Ergebnis positiv verzerrt ist, weil zu wenig schwache Schüler getestet wurden?

Bos: Zumindest ist das nicht auszuschließen.

ZEIT: Deutschland hat 2006 im Vergleich zu 2001 neun Punkte zugelegt, was bedeutet das?

Bos: Auf jeden Fall eine spürbare Verbesserung. Zur Veranschaulichung: 49 Iglu-Punkte entsprechen dem durchschnittlichen Leistungszuwachs eines Schülers in einem Schuljahr.