DIE ZEIT: Ihrer Studie zufolge bilden sich einige Arbeitnehmer regelmäßig weiter, andere selten oder gar nicht. Woran liegt das?

Uschi Backes-Gellner: Ein starker Einflussfaktor ist, dass die Nichtteilnehmer die Erträge unterschätzen. Sie glauben einfach nicht, dass es sie weiterbringt, wenn sie etwas dazulernen. Die Kosten sind dagegen gar kein so großes Problem.

ZEIT: Woher kommt diese Einstellung?

Backes-Gellner: Diese Menschen haben oft einen Arbeitsplatz, bei dem keine Veränderung abzusehen ist. Sie fragen sich natürlich: "Wenn es keine Perspektive gibt, warum soll ich mich dann ins Zeug legen?" Dabei übersehen sie, dass sie auf lange Sicht auch für andere Arbeitgeber attraktiv bleiben müssen. Employability nennen wir das in der Fachsprache.

ZEIT: Das wäre aber viel verlangt, Dinge zu lernen, die im Arbeitsalltag nicht gebraucht werden und zum Zeitpunkt einer möglichen Arbeitslosigkeit vielleicht schon veraltet oder vergessen sind.

Backes-Gellner: Aus einer kurzfristigen Sicht des einzelnen Arbeitnehmers erscheint das wenig vernünftig. Aber aus gesamtwirtschaftlicher Sicht liegt durch dieses Verhalten viel Potenzial brach.

ZEIT: Also sind die Betriebe schuld, deren Arbeitsplätze keine Entwicklungsmöglichkeiten bieten?

Backes-Gellner: Die verpassen ja selbst Chancen, wenn sie die Talente ihrer Mitarbeiter nicht voll nutzen. Aber gerade kleine und mittlere Unternehmen haben oft gar nicht die Zeit und das Wissen für eine gute Personalentwicklung.

ZEIT: Müssen die Anbieter von Weiterbildung also mehr um diese Kunden werben?

Backes-Gellner: Das müssen und werden sie tun, denn der Markt ist sehr umkämpft, und der Mittelstand rückt immer stärker in den Fokus. Es reicht aber nicht, den Betrieben eine Weiterbildung aufs Auge zu drücken. Die brauchen Unterstützung dabei, zu überlegen, wie das in ihre Strategie passt.