Wann lohnt sich eine Weiterbildung?
Von einer Weiterbildung profitiert der Arbeitgeber, weil er seine Fachkräfte auf dem Stand der Technik hält. Und für den Arbeitnehmer bietet sie Aufstiegschancen; zumindest ist sie "die beste Vorbeugung gegen Arbeitslosigkeit", sagt Ulrich Brill. Er ist Professor der Ingenieurwissenschaften und leitet den Verein Haus der Technik in Essen. Dieses Weiterbildungszentrum veranstaltet jährlich rund 1500 Seminare, Tagungen und Kongresse zu Technik und Wirtschaft. "Längere Lebensarbeitszeiten bedeuten, dass man auch länger auf das einmal Gelernte angewiesen ist", sagt Brill, "die exponentielle Wissenszunahme hat aber zur Folge, dass Wissen schnell veraltet." So gilt nach der Definition der Bundesagentur für Arbeit schon jemand, der vier Jahre lang nicht im erlernten Beruf gearbeitet hat, wieder als ungelernt. Das lebenslange Lernen werde von den Politikern gefordert, sei aber nicht in der Bevölkerung angekommen, so Brill. Sein Vorschlag: "Eine Art Bildungs-Bonusheft wie beim Zahnarzt."

Weiterbildung schafft Fachkräfte für interdisziplinäre Bereiche. Beispiele hierfür sind Studiengänge wie Betriebswirtschaft für Ingenieure oder berufsbegleitende Studien wie Energiewirtschaft, die die Brücke zwischen Technik und Wirtschaft schlagen. 2006 hatten allein die 51 Mitgliedsinstitute des Dachverbandes "Wuppertaler Kreis – Bundesverband betriebliche Weiterbildung" über eine Million Teilnehmer an rund 95000 Seminaren.

Welche Formen von Weiterbildung gibt es?
"Weiterbildung" ist ein weiter Begriff. Darunter fallen Fortbildungen und Umschulungen von Arbeitslosen, betriebliche (zahlt der Arbeitgeber) und berufliche Weiterbildungen (zahlt der Arbeitnehmer). Eine Weiterbildung kann ein, zwei Tage dauern, mehrere Wochen oder gar ein mehrsemestriges nebenberufliches Masterstudium umfassen. Unternehmen können sich aussuchen, ob sie ihre Mitarbeiter lieber im Betrieb schulen lassen – arbeitsbegleitend oder in gesonderten Seminaren – oder außerhalb.

Damit der Effekt der Fortbildung im Alltagsgeschäft nicht sofort wieder verpufft, wäre eigentlich eine Nachbetreuung notwendig. Doch da gibt es noch Nachholbedarf.

Welche Weiterbildung ist die richtige?
Das kommt ganz auf die Bedürfnisse an: Soll ein neues Computerprogramm gelernt werden, macht man das am besten berufsbegleitend am Arbeitsplatz. Soll der Teamgeist der Belegschaft gesteigert werden, sind Aktivitäten in der freien Natur beliebt – von der Waldwanderung bis zum berühmt-berüchtigten "Kletterseminar", wo sich einer auf den anderen verlassen muss, um nicht abzustürzen. Allerdings sind diese Seminare ziemlich kostspielig und daher eher Managern vorbehalten.

Welcher Anbieter ist der richtige?
Die Angebote der einzelnen Institute unterscheiden sich stark: Die einen legen den Schwerpunkt auf kaufmännische oder Managementthemen, andere auf Technisches. Eine starke Anbindung an Gewerkschaften oder einen Arbeitgeberverband kann dazu führen, dass bestimmte Themen ausgeklammert oder inhaltlich einseitig dargestellt werden. "Auch das Alter und die Reputation eines Instituts spielen eine wichtige Rolle, Gemeinnützigkeit ist ebenfalls ein gutes Zeichen", sagt Ulrich Brill.