Der Saugrüssel am Tankstutzen ist ihm zu verdanken, ebenso wie bleifreies Benzin, schwefelarmer Dieselkraftstoff, der Katalysator und Leichtlaufreifen. Zu fast jedem Öko-Update wurde die Automobilwirtschaft in den vergangenen 27 Jahren von einem Mann gedrängt: Axel Friedrich, Abteilungsleiter Verkehr und Lärm im Umweltbundesamt (UBA).

Der Mann gilt als Tüftler – und als jemand, der gnadenlos polarisiert. Deshalb wuchs die Zahl seiner Gegner ebenso beständig wie sein Ruhm.

Demnächst steht Friedrich nicht mehr im Rampenlicht. UBA-Präsident Andreas Troge hat seinen renommierten Abteilungsleiter zum 1.Dezember, sieben Monate vor dessen Pensionierung, ins Abseits versetzen müssen. Friedrich ist nämlich auch Protagonist des Dieselrußfilters – und damit eine der Schlüsselfiguren eines Skandals, der gerade die Republik stark beschäftigt.

Alles fing mit einem Test von Filtersystemen in Dieselautos an, den Friedrich veranlasst hatte. Das war bereits vor mehr als einem Jahr. Das Testergebnis war verheerend, doch das zuständige Bundesumweltministerium ließ sich davon nicht beirren. Die Prüfprozedur habe nicht exakt der deutschen Vorschrift entsprochen und sei deshalb "nicht gerichtsfest", heißt es dort.

Mehr als 40.000 Filter, die jeweils mit 330 Euro staatlich gefördert wurden, sind inzwischen in ältere Dieselautos eingebaut worden – obwohl sie untauglich sind. Einige Filterhersteller sollen sich die Zulassung gar mit manipulierten Unterlagen (die Staatsanwaltschaft ermittelt) erschlichen haben, sodass bei 24.000 Systemen die Wirkung "gegen null" gehe, stellt das Umweltministerium in einem internen Papier fest. Geschätzter volkswirtschaftlicher Schaden bisher: rund 60 Millionen Euro. Und eine Blamage für die Bundesregierung. Die Nachrüstung von Dieselfahrzeugen mit Rußfiltern entwickelt sich zum Skandal. Sie ist für neun Millionen Besitzer älterer Modelle eine Voraussetzung, um vom kommenden Jahr an in zu "kommunalen Umweltzonen" deklarierten Innenstädten fahren zu dürfen. Bisher sind rund 170.000 Autos für jeweils 600 Euro oder mehr nachgerüstet worden – ein Drittel der Filter ist offensichtlich ohne jede ökologische Wirkung. Falsche Materialien sind dabei das Problem.

Das Umweltministerium habe schon länger von den schlechten Testergebnissen gewusst, aber geschwiegen, lautet jetzt der Vorwurf. Die "Informationsblockade" habe verhindert, dass Autofahrer rechtzeitig gewarnt werden konnten, kritisiert Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Verbraucherschützer hatten am Donnerstag per Gerichtsurteil die Herausgabe von Testergebnissen erzwungen, die das Ministerium unter Verschluss hielt.

Seither fliegen die Fetzen, und das ausgerechnet zwischen Kontrahenten, die eigentlich Verbündete sind: den Umwelt- und Verbraucherverbänden und dem Umweltministerium. Der zuständige Staatssekretär Matthias Machnig wirft Resch "wissentliche Falschaussage" vor. Machnig sagt, er habe im August die rechtlich vorgeschriebenen Filtertests einleiten lassen und diese Ergebnisse sofort weitergegeben. Tatsächlich hatte Abgasexperte Friedrich die früheren Prüfungen nach Schweizer Standards in Auftrag gegeben. Im November 2006 landete der alarmierende Befund des Schweizer Ingenieurbüros TTM auf seinem Schreibtisch. Investitionswilligen Autofahrern blieb die Information jedoch verwehrt. Sie war zwar eindeutig, entsprach aber eben nicht den deutschen Vorschriften und wurde deshalb unter Verschluss gehalten.

Der Schweizer Andreas Mayer blickt jetzt eher spöttisch über die Grenze nach Deutschland. Sein Ingenieurbüro TTM hatte den Filtern weitgehende Wirkungslosigkeit bescheinigt und sogar festgestellt, dass einige Systeme zusätzliche Schadstoffe wie Stickoxide erzeugen. "Unbrauchbar und grottenfalsch" sei die deutsche Prüfvorschrift, sagt Mayer, da sie nicht die gesundheitsrelevanten Parameter messe. Ob ein System grundsätzlich funktioniere, lasse sich im Übrigen leicht feststellen. "Schauen Sie in ein Auspuffrohr. Ist es metallisch blank, tut der Filter seinen Dienst. Sonst nicht." Auch die Techniker von Volkswagen testen ihre Filter ähnlich wie die Schweizer Firma TTM. Die deutsche Prüfvorschrift sei lediglich "eine Basis", bestätigt ein VW-Sprecher.

Derweil suchen die zuständigen Abteilungsleiter im Umwelt- und Verkehrsressort verzweifelt nach einer Strategie, den endgültigen Filter-GAU zu verhindern. "Um das Konzept der Bundesregierung zur laufenden Nachrüstung nicht zu gefährden", sollten auch die Besitzer nicht funktionierender Filter künftig in Innenstädten fahren dürfen, heißt es in einem internen Papier. Andernfalls könnte das Vertrauen in die Rußfilter-Initiative der Regierung "dauerhaft zerstört" werden.