Die völlig an den Haaren herbeigezogene Hetzkampagne der Medien gegen die Wiener Polizei will kein Ende nehmen. So wurde beispielsweise jüngst eine Amtshandlung des Kommissariats Hohe Warte öffentlich durch den Dreck gezogen. Die Beamten hatten ein Lokal ihres Rayons kontrolliert. Außerhalb ihrer Dienstzeit. Vorbildlich, sollte man meinen. Doch anstatt Idealismus und Professionalität zu honorieren, welche die Polizisten auch in ihrer Freizeit an den Tag legen, wurde versucht, diesen Lokalaugenschein zu skandalisieren. Im Zentrum der angeblichen Affäre steht ein Dramolett, das an jenem Abend zur Aufführung gelangte. Bei einer harmlosen Tanzeinlage leckte eine junge Blondine im karierten Minirock, die Haare zu kindlichen Zöpfen geflochten, zur Melodie des Schlagers Lollipop an einem Lutscher. Die Inszenierung verlangte, dass die Künstlerin im Laufe ihrer Performance auch ihre Bekleidung abstreifen musste. Ein Regieeinfall, der im Burgtheater auf der Tagesordnung steht. Interessiert und kundig folgten die Schöngeister von der Polizei der künstlerischen Darbietung und entkräfteten das hartnäckige Vorurteil, unsere Sicherheitskräfte würden für Kultur nur Desinteresse aufbringen. Doch nun wird den Ordnungshütern ihre Begeisterung für Theater zur Last gelegt. Die Kritiker ignorieren dabei völlig den Sicherheitsaspekt: Denn vor welchem Publikum kann sich eine Minderjährige wohl geschützter entkleiden als vor Polizisten? Es handelte sich zudem um eine Privatfeier der Beamten, sodass jedes Disziplinarverfahren unangebracht wäre. "Wir sind halt viele Leute, da wird dann auch viel gefeiert!", wird der Organisator des intimen Kammerschauspieles zitiert. Mit dieser Veranstaltung, der hoffentlich weitere folgen werden, bestätigte die Polizei außerdem ihre besondere Sensibilität für das schwache Geschlecht. Lauter Frauenversteher. Alfred Dorfer

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben