Am 1. Januar 2009 kommt die Abgeltungsteuer. Alle Anleger müssen dann ein Viertel ihrer Kapitaleinkünfte an den Fiskus überweisen. Alle Anleger? Entgegen anderslautenden Beteuerungen der Regierung lässt auch die neue Einheitssteuer diverse Schlupflöcher offen, durch die man sich zumindest teilweise einer Besteuerung entziehen kann. Einzige Voraussetzung: Man muss vermögend sein.

Das Ziel ist freilich genau das Gegenteil: Die neue Steuer soll Steuerflüchtlinge bekehren und zurück in die Heimat locken. Die Einnahmen durch reuige Rückkehrer sind fest eingeplant. »Es ist besser, 25 Prozent auf X zu haben statt 42 Prozent auf gar nix«, sagt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. In der Tat stehen Spitzenverdiener mit der neuen Abgabe deutlich besser da als vorher. Doch ob die Rechnung aufgeht, ist trotzdem fraglich.

Finanzexperten fordern die Abgeltungsteuer schon seit mehr als 20 Jahren – in vielen europäischen Staaten hat sie sich längst durchgesetzt. Als einer ihrer Vorteile gilt die Vereinfachung: Für alle Einkünfte aus Kapitalvermögen gilt künftig derselbe Steuersatz von 25 Prozent, zuzüglich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer knapp 28 Prozent. Die Bank führt das Geld direkt an den Fiskus ab, und damit ist die Schuld beglichen.

Derzeit gelten für die verschiedenen Arten der Kapitalerträge unterschiedliche Sätze: Auf Zinsen erhebt der Staat die Einkommensteuer, also einen Steuersatz von bis zu 45 Prozent; Dividenden besteuert er nach dem Halbeinkünfteverfahren mit maximal 22,5 Prozent, und Gewinne aus Wertpapiergeschäften sind nach Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist steuerfrei. Die Abschaffung dieser Regelung trifft vor allem Aktionäre besonders hart, weil auch die Kursgewinne steuerpflichtig werden, die sie nach mehr als einem Jahr erzielen.

Der Wegfall der Spekulationsfrist erschwere für Kleinanleger vor allem auch die Altersvorsorge, sagt Sabine Köhler von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte & Touche. Schließlich verdient der Fiskus mit der Abgeltungsteuer an jedem erfolgreichen Wertpapiergeschäft mit.

Damit nicht genug: Künftig sind Werbungskosten wie Depotgebühren, Fahrten zu Hauptversammlungen oder Steuerberatungskosten nicht mehr absetzbar. Das trifft insbesondere reichere Schichten. In Zukunft muss jeder mit dem Werbungskostenpauschalbetrag von 51 Euro jährlich auskommen. Dieser wird mit dem Sparerfreibetrag von 750 Euro zum Sparerpauschbetrag zusammengelegt. Sind die jährlichen Erträge höher als 801 Euro für Ledige und 1602 Euro für Ehepaare, wird die Abgeltungsteuer fällig. Vermögende überschreiten diese Grenze schnell, aber selbst mit einem kleinen Depot ist der Freibetrag bald ausgeschöpft.