Auf einmal geht alles so leicht: Die Lokführer kriegen ihren eigenen Tarifvertrag, Streiks sind nicht mehr nötig, die befürchtete Spaltung der Bahnbelegschaft ist auch vom Tisch, und nebenbei haben Bahnchef Hartmut Mehdorn und Manfred Schell, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), wahrscheinlich auch noch das aus der Mathematik bekannte Problem der Quadratur des Kreises gelöst.

Die Stimmung der beiden Verhandlungspartner war am Dienstag jedenfalls richtig gut. Nach zwei Tagen intensiver Gespräche ließen sie verlauten, im Tarifkonflikt bei der Bahn sei der Durchbruch erreicht. "Der Einstieg ist geschafft, dann sollten wir den Rest auch noch schaffen", erklärte Mehdorn. Von einem "soliden Fundament" sprach Schell. Dabei sind entscheidende Fragen nach wie vor ungelöst.

Vereinbart wurde nur, dass die Lokführer einen "eigenständigen Tarifvertrag auf Basis des Moderationsergebnisses" bekommen sollen. Damit sind beide Seiten wieder da angekommen, wo sie vor drei Monaten aufgehört hatten: Damals verständigten sie sich mit Hilfe der ehemaligen CDU-Politiker Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf darauf, die Lokführer könnten ein eigenständiges Regelwerk bekommen, das sich allerdings "konflikt- und widerspruchsfrei" in das gesamte Tarifgefüge einzupassen habe. Genau das gilt jetzt also wieder. Hinzu gekommen ist in einer dürren gemeinsamen Erklärung nur, dass die GDL-Lokführer im Dezember eine Abschlagszahlung von 800 Euro auf die noch zu vereinbarende Tariferhöhung erhalten und die eigentlichen Verhandlungen über Arbeitszeiten, Geld und andere Tariffragen unverzüglich beginnen sollen.

Auch das, was hinter den Kulissen zu erfahren ist, deutet auf keine Lösung in der Kernfrage der "Eigenständigkeit" des Lokführertarifs. Sie soll nach Auskunft beider Seiten wohl so gehandhabt werden: In der laufenden Tarifrunde braucht die GDL sich nicht mit den Konkurrenzgewerkschaften Transnet und GDBA abzustimmen. Die hatten sich mit der Bahn ohnehin kürzlich geeinigt, gesonderte Tarifregeln für Berufsgruppen innerhalb eines gemeinsamen Rahmens einzuführen. Bei allen künftigen Tarifrunden wird aber das, was GDL-Chef Schell bisher immer vehement abgelehnt hat, zur Pflicht: die Abstimmung mit den anderen. Unklar sei bloß noch, erklären beide Seiten, wie diese Abstimmung genau aussehen solle. Aber darüber kann man ja verhandeln.