DIE ZEIT: Herr Minister, Sie sind offiziell für die Beziehungen zu Deutschland zuständig und damit für »schwierige außenpolitische Angelegenheiten«. Ist Deutschland denn so schwierig?

Bartoszewski: Es war nie leicht mit Deutschland, und in den letzten zwei, drei Jahren ist es noch schwieriger geworden. Ende der achtziger Jahre hatten deutsche und polnische Politiker und Intellektuelle enorme Arbeit geleistet. Schon 1980 gab es die Solidarność, 1983 den Friedensnobelpreis für Lech Wałęsa, zwei Jahre später stieg Gorbatschow auf. Man spürte den anderen Wind, dass eine friedliche, aber revolutionäre Entwicklung in einem Ostblockland möglich sein könnte.

ZEIT: Sie sagten aber gerade, Deutschland sei in den letzten zwei Jahren schwierig geworden.

Bartoszewski: Anfang der neunziger Jahre dachte man, die Probleme seien nun erledigt. Das war falsch, denn die Probleme hatten sich über Generationen entwickelt! 1995 hielt ich als erster Pole im deutschen Parlament eine Rede. Das war eine sensationelle Neuigkeit, über 20 Millionen haben in Deutschland diese Bundestagsrede im Fernsehen verfolgt! Es gab also ein beachtenswertes Interesse. Es herrschte zwar keine Freundschaft, aber eine stabile Normalität, die bis Ende der neunziger Jahre andauerte. Dann kamen in beiden Ländern die Sozialdemokraten an die Macht. Und eine Dame in den besten Jahren wurde sehr bekannt.

ZEIT: Sie meinen Erika Steinbach, die Vorsitzende des Vertriebenenverbands.

Bartoszewski: Eine schöne Blonde für die einen, für andere eine blonde Bestie.

ZEIT: Was werfen Sie ihr vor?

Bartoszewski: Sie hat im Bundestag gegen die Anerkennung der polnischen Oder-Neiße-Grenze gestimmt! Sie unterscheidet meiner Meinung nach nicht präzise genug zwischen Opfern und Tätern. Wir können so eine Verfälschung der Geschichte unter der Regie von Frau Steinbach nicht dulden.

ZEIT: Erika Steinbach kann unmöglich allein der Grund für die Verschlechterung der deutsch-polnischen Beziehungen sein.

Bartoszewski: Nein, aber jede Lawine im Gebirge hat unterschiedliche Ursachen und nicht absehbare Folgen. Ich hatte schon vor einigen Jahren vor ihr gewarnt. Meine deutschen Kollegen hatten mir damals gesagt, du übertreibst, sie spielt in Deutschland überhaupt keine Rolle. Nun, Erika Steinbach gehört zu den wenigen deutschen Politikerinnen – in einem 82-Millionen-Land. Das kann man auch so sehen.