Seit zehn Jahren arbeiten mehr als tausend Ingenieure in zehn europäischen Ländern auf diesen Moment hin: Am Donnerstagabend um 22.31 Uhr MEZ soll das europäische Weltraumlabor Columbus (hier bei der Verladung in Bremen) von Florida aus ins All abheben und vier Tage später in 400 Kilometer Höhe an die Internationale Raumstation ISS andocken. So plant es die Nasa, die für den Transport der 12 Tonnen schweren Forschungsröhre in der Ladebucht des Space Shuttles Atlantis sorgt.

Nach Plan lief bei Columbus bisher allerdings wenig. Der Start war ursprünglich für 2004 vorgesehen. Nach dem Columbia-Unglück musste der Termin immer weiter verschoben werden. Das fast fertige Weltraumlabor wurde wieder zerlegt und erst im vergangenen Jahr in Bremen neu montiert. Die zur Hälfte von Deutschland getragenen Baukosten stiegen auf über eine Milliarde Euro. 404 Experimente aus Medizin, Biologie, Physik und Materialwissenschaft hat die Esa für die europäische Hälfte des Weltraumlabors ausgewählt.

Die ersten sollen gleich nach dem Öffnen der Verbindungsluke zur ISS beginnen. Dabei geht es um das Verhalten von Zellen und Protein-Kristallen in der Schwerelosigkeit oder um eine Simulation der Strömungsverhältnisse im Erdinneren. Allzu bald wird es keine anwendungsnahe Forschung oder gar Produktion geben. Zwar will die Esa ein Drittel ihrer Forschungskapazität an die Industrie verkaufen, bisher konnte sie aber noch kein einziges Unternehmen dafür gewinnen.