Empörend, erregend, irrlichternd: Der Architekt Adolf Loos empörte sich über die "Verschweinung des Lebens durch das Ornament". Er sprach den Gegnern Gustav Klimts im Wien der Jahrhundertwende aus der Seele. Die erregten sich über den "verzärtelten Traumweltler" (Wiener Zeitung, 1904), über die "unklaren Bewegungen", "die gekünstelten Formen" seiner Gemälde. Der Philosoph Friedrich Jodl warf gar das Stichwort von der "häßlichen Kunst" in die Debatte. Klimts Bilder im Blick, registriert man staunend diese Sichtweise, längst trunken vom Farbenrausch und der sirrenden Erotik mystischer Frauengestalten (unten ein Detail aus dem Ölgemälde Goldfische, 1901/02). Prachtvoll sind die Gemälde Gustav Klimts, und prachtvoll ist auch dieser Bildband. Der Herausgeber Alfred Weidinger machte 253 Gemälde ausfindig und ließ sie neu fotografieren, den Stocletfries, Hauptwerk der Goldenen Periode, erstmals seit 1914 (Privatbesitz, rechts ein Detail). Umfassenden Aufsätzen zu Einzelaspekten sind ein kommentiertes Werkverzeichnis und ein bebilderter biografischer Abriss beigefügt. Weidinger meistert den Spagat zwischen Wissenschafts- und Laienpublikum; sein Band wahrt einzigartig die irrlichterne Qualität Klimts: die der Verführung. IW