Zu den unangenehmen Verpflichtungen der meisten Landeshauptleute gehört es, Volksnähe zeigen zu müssen. Nicht so in Kärnten, das auch in diesem Punkt ein Sonderfall ist. Im Tollhaus, gemeint ist in diesem Fall ein Lokal dieses Namens in Spittal an der Drau, fand eine sogenannte 99-Cent-Party statt. Der Begriff bürgt für die Qualität der ausgeschenkten Alkoholika. Der Rausch ist kostengünstig und das nachfolgende Kopfweh sogar gratis. An Ort und Stelle also Jugendliche, die wohlfeile Hirnpreller runterkübeln – und mitten in der munteren Runde unser Jörgl. Bekanntlich handelt es sich bei Haider um einen entschiedenen Gegner des Komasaufens, und nur Böswillige können aus seiner Anwesenheit in jenem Lokal auf etwas anderes schließen als auf pädagogische Motive. Die Bilder des stimmungsvollen Abends belegen dies zweifelsfrei. Sie zeigen den Landesfürsten in freundschaftlicher Umarmung mit männlichen Jugendlichen, die Körpersprache ist eindeutig. Er versucht sie zärtlich, aber bestimmt von den Gefahren ihres Tuns zu überzeugen. In seiner Linken hält er – ganz Vorbild – ein mexikanisches Leichtbier, um auch hier zu zeigen, wie vernünftiger Alkoholgenuss aussieht. Daraus versucht die SPÖ nun politisches Kleingeld zu lukrieren, indem sie irgendetwas Unverständliches einwirft, das wie "Würde" klingen soll. Lächerlich. Der BZÖ-Chef nahm nach eigenen Angaben als Privatmann an dieser Feier teil, also ist seine Würde ebenfalls Privatsache. Außerdem saufen sich auch Jugendliche prinzipiell nur als Privatpersonen ins Koma. Wozu also die unnötige Aufregung? Prost! Alfred Dorfer

Dieser Artikel wurde für die wöchentliche Österreich-Ausgabe der ZEIT geschrieben