Der Showdown im Vorfeld des afrikanisch-europäischen Gipfels ist entschieden: Simbabwes Präsident Robert Mugabe wird trotz EU-Einreiseverbots an diesem Wochenende in Lissabon empfangen, Großbritanniens Premierminister Gordon Brown will aus Protest zu Hause bleiben.

1:0 für Afrika – so muss man nüchtern feststellen. Sieben Jahre lang scheiterten europäisch-afrikanische Gipfeltreffen an der Weigerung der EU, allen voran der Briten, den vom Freiheitskämpfer zum nationalen Totengräber mutierten Mugabe teilnehmen zu lassen. Jetzt hat sich die afrikanische Seite durchgesetzt: Ihr wollt mit uns reden?, lautete ihre Nachricht an Brüssel, dann schreibt uns nicht vor, wer kommen darf und wer nicht. Nur Brown blieb stur, seine Amtskollegen haben eingelenkt und hoffen nun, dass Mugabe in Lissabon möglichst oft im toten Winkel der Kameras platziert wird. Kein gutes Omen für eine einheitliche Afrika-Politik Europas, immerhin ist Großbritannien das wichtigste Geberland.

Ja, Europa will mit Afrika reden – genauer gesagt, die Europäische Union mit ihrem institutionellen Gegenstück, der Afrikanischen Union (AU). Denn Afrika wird wieder einmal neu entdeckt. Es erlebt dank seiner gigantischen Rohstoffvorkommen eine "geostrategische Renaissance" und erhält damit ein zweites Image: neben Afrika, dem apathischen Hilfsempfänger, ist Afrika, der Akteur mit Ressourcen und neuem Selbstbewusstsein, aufgetaucht.

China hat das bekanntlich zuerst begriffen und versorgt sich auf dem ganzen Kontinent mit Erdöl, Kupfer, Kobalt und Platin – ohne bei Handelsabkommen mit dem Sudan oder Simbabwe auch nur die Nase zu rümpfen. Auch die USA sehen in Afrika längst mehr als nur den Kontinent, den es von Aids zu befreien gelte. Sie werden 2015 voraussichtlich ein Viertel ihrer Ölimporte aus afrikanischen Quellen beziehen, sie wollen ihre Marine-Streitkräfte an der ölreichen Westküste aufstocken und suchen einen Standort für Africom, das Regionalkommando des Pentagons. Die Frage nach der demokratischen Überzeugung der Geschäfts- und Bündnispartner wird anderen Interessen untergeordnet.

Bleibt Europa, das nun mit dem Gipfeltreffen Afrikas Staats-und Regierungschefs signalisieren möchte: Seht her, wir haben das beste Angebot. Eine gemeinsame afrikanisch-europäische Strategie zu Lösung all der Probleme, die beide Kontinente zugleich betreffen, soll in Lissabon beschlossen werden: Kriege und lokale Konflikte, Unterentwicklung, Mangel an Demokratie, Klimawandel, Migration. Dazu muss das europäische Chaos nationaler Konkurrenzen und Eitelkeiten in der Entwicklungshilfepolitik neu geordnet werden. Die AU möchte man stärken, Aktionspläne zu Themen wie guter Regierungsführung, Handel, Korruptionsbekämpfung und Sicherung der Grenzen verabschieden, den Dialog über "Situationen der Fragilität" führen, was ein Euphemismus ist für Desasterzonen wie Simbabwe oder Darfur. Das alles nicht mehr mit der Attitüde des karitativen Wohlwollens gegenüber dem globalen Lumpenkind, sondern im Geiste der Partnerschaft – und, anders als die USA und China, mit einem klaren Bekenntnis zu einer werteorientierten Politik.