Die Adventszeit ist nach gutem altem Herkommen die Zeit der Einkehr, und welcher Ort wäre dafür richtiger als diese Spalte? Ist sie doch, nachdem der deutsche Einzelhandel den Hals nicht vollkriegen kann und mit dem ersten verkaufsoffenen Adventssonntag nicht überall glücklich war, das letzte Refugium schonungsloser Selbstbesinnung. Sie muss mit der Frage beginnen: Hat der Autor dieser Zeilen einen guten Job gemacht?

Die Frage stellt sich, weil kürzlich der Leitartikler der Süddeutschen geschrieben hat, Josef Ackermann verdiene als Chef der Deutschen Bank mit Recht zweistellige Millionensummen, weil er nach allgemeiner Einschätzung einen besonders guten Job gemacht habe. Gegen die allgemeine Einschätzung ist nichts zu sagen, aber man möchte doch gerne wissen, ob zum Beispiel ein Lehrer, der seinem Beruf mit Hingabe obliegt und die Schüler zu anständigen Menschen heranbildet, auch einen besonders guten Job macht. Oder hat die Krankenschwester, nachdem sie eine Nacht lang Schwerkranke versorgt hat, einen besonders guten Job gemacht? Blöde Frage. Es ist nämlich so, dass sich »Job« und »Geld« reziprok zueinander verhalten: Wer Geld generiert, macht einen guten Job und kriegt Geld. Ein Weg, Geld zu generieren, besteht in dem, was jüngst in einer Überschrift zu lesen war: »Jobabbau«. Damit sind natürlich die Jobs der jeweils anderen gemeint, die Kosten verursachen. Und das bedeutet: Je größer der Jobabbau, desto besser der Job, den man macht, und dafür sind nach allgemeiner Einschätzung zweistellige Millionenbeträge nur angemessen.

Karl Kraus hat einmal gesagt, je länger man ein Wort anschaue, desto fremder schaue es zurück, und wenn man das Wort Jobabbau lange genug anguckt, dann sieht es aus wie der Refrain einer Rhythmusgruppe: jobbabbau jobbabbau, schrumm; jobbabbau jobbabbau, schrumm . Es ist eine Art Basso continuo, der die weihnachtlichen Lieder, die man jetzt an den verkaufsoffenen Sonntagen in den Passagen überall hören kann, ganz gut grundiert. Weil aber der Autor dieser Spalte endlich beschlossen hat, einen guten Job zu machen, wird er sie nun verlassen und sich auf den Weg machen, den deutschen Einzelhandel zu stärken. Oder, um es in den Worten des Evangelisten zu sagen: »Lasset uns nun gehen gen Bethlehem!« Finis