ist die Erfinderin des Grünen Mentoring-Programms für Frauen

Die Historikerin Nadia vom Scheidt hat 1998 als Bundesvorstandssprecherin der Grünen Jugend ein Mentoring-Programm für Frauen in der Politik entwickelt. Nach dem Studium baute sie für die Europäische Frauenlobby ein Netzwerk für junge Frauen auf und spezialisierte sich auf internationale Politik. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit in der Bundesverwaltung und auf internationaler Ebene, momentan bei der Europäischen Kommission in Brüssel, steht die Verbesserung von Verwaltungshandeln in der Europäischen Union

DIE ZEIT: Warum brauchten ausgerechnet die frauenfreundlichen Grünen ein Mentoring-Programm?

Nadia vom Scheidt: Meiner Wahrnehmung nach waren es vor allem ältere Männer, die junge Frauen in der Politik gezielt förderten. Die vielen kompetenten und erfahrenen Frauen dagegen traten selten in der Rolle einer Mentorin auf. Ich habe mich gefragt, warum Frauen sich diese Chance gezielter Nachwuchsförderung entgehen ließen. Gleichzeitig wurde oft beklagt, dass Frauen wenig in Entscheidungen über Posten und Strategien eingebunden seien oder dass es an weiblichem Parteinachwuchs fehle. Ich wollte Frauen aller Parteigenerationen das Rüstzeug verschaffen, um erfolgreich um Einfluss und Inhalte zu kämpfen.

ZEIT: Wie funktioniert das Mentoring-Programm?

Vom Scheidt: Zwei Frauen aus der Partei schließen sich zu einem Tandem zusammen. Die Erfahrenere wird die Mentorin der Neueinsteigerin: Sie ist Coach, Ratgeberin und Helferin zum Beispiel bei Kampagnenplanungen, bei der Vermittlung von Kontakten oder bei Parteiinterna. Die Beziehung soll aber nicht einseitig sein: Auch die Mentee unterstützt und berät die Mentorin aus ihrer Perspektive.

ZEIT: Könnte auch ein Mann ein Mentor sein?

Vom Scheidt: Generell natürlich ja. Bei diesem Ansatz war das nicht gewollt, weil es ja darum ging, bisher Versäumtes nachzuholen, und Männer in der Politik sich oft von selbst in der Rolle eines Mentors sehen.