Männer brauchen über Netzwerke, Seilschaften und Patronage nicht zu sprechen: Sie haben sie. Und sie besetzen noch immer 90 Prozent der Führungspositionen in der deutschen Wirtschaft. Das ist weder unter Demokratiegesichtspunkten akzeptabel, noch ist es ökonomisch vernünftig – zumal in einer alternden Gesellschaft, in der der Fachkräftemangel schon begonnen hat. Und in Zeiten, da sich die Jungs mit Schul- und Hochschulabschlüssen immer schwerer tun, während die Mädchen und jungen Frauen glänzen.

Norwegen zwingt aus solchen Gründen neuerdings seine Aktiengesellschaften per Gesetz, ihre Aufsichtsräte zu quotieren. Anders als es in Deutschland zu erwarten wäre, lamentieren die Wirtschaftsverbände dort nicht (mehr) über die staatliche Vorschrift, sondern bereiten die Frauen in hochklassigen Managementkursen auf die Aufgabe vor. Einer der wichtigsten Lehrsätze dabei lautet: Vernetzt euch! Lernt euch kennen! Vertraut einander! Arbeitet zusammen!

Und wie steht es um die Zusammenarbeit in Deutschland? Gibt es das – Frauennetzwerke in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik? Zusammenschlüsse für berufstätige Frauen wie die Business and Professional Women Germany oder das European Women’s Management Development Network existieren auch in Deutschland seit vielen Jahren; der Verband Deutscher Unternehmerinnen wurde schon 1954 gegründet, als empörte Reaktion auf die Äußerungen eines längst vergessenen Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, der das unerhörte Vorkommen von Unternehmerinnen als »vorübergehende Kriegsfolgeerscheinung« bezeichnet hatte.

Doch woran liegt es, dass derartige Zusammenschlüsse bisher nicht mehr Erfolg hatten? Dass es immer noch nicht mehr weibliche Vorstände, Aufsichtsräte, Professorinnen oder Chefredakteurinnen gibt (siehe Grafik, Seite 18)?

Ursula Pasero von der Gender Research Group der Universität Kiel vermutet, dass Netzwerke, in denen vorrangig Benachteiligungen thematisiert werden, an Attraktivität einbüßen. Heute komme es aber darauf an, die Verliererperspektive hinter sich zu lassen und zu begreifen, was für eine volkswirtschaftliche Ressource hoch qualifizierte Frauen sind.

Aus dem Boden stampfen lässt sich so ein Perspektivenwechsel gewiss nicht, ebenso wenig, wie sich plötzlich Power-Netzwerke herbeibeten lassen. Aber erste Anzeichen für die neuen, klarer macht- und interessenorientierten Zusammenschlüsse von Frauen gibt es schon, und es ist vielleicht kein Zufall, dass ihr Auftauchen zeitlich mit dem Amtsantritt der ersten deutschen Bundeskanzlerin zusammenfällt. Die politische Sphäre ist der Wirtschaft in Frauendingen voraus – aber sie strahlt dorthin aus.

Auf der Besuchertribüne des Reichstages verbotenerweise Kekse essend und triumphierend, so hat man sie in Erinnerung, die einflussreichen Damen, die sich zusammengetan hatten, um 2005 einer noch unsicheren und umstrittenen Angela Merkel ins Kanzleramt zu verhelfen: die Verlegerin Friede Springer, Event-Managerin Isa Gräfin von Hardenberg, die Journalistinnen Inga Griese und Sabine Christiansen.