Dass Angela Merkel nun auch gegen die hohen Vergütungen für Topmanager wettert, zeigt vor allem, was die Bundeskanzlerin in Wirtschaftsfragen als "Mitte" versteht: all das, was der Mehrheit gefällt. Und die Mehrheit empört sich nun mal, wenn die Nettogehälter bei ihr kaum wachsen, während die Konzernvorstände in Millionen baden, obwohl sie, anders als echte Unternehmer, keine existenziellen Risiken eingehen. Egal, welche Studie man nimmt, die Saläre der Führungsspitzen sind kräftig gestiegen. Im Jahr 2006 um ein Fünftel, seit Mitte der siebziger Jahre um das Achtfache. Damit haben sich die Manager rapide vom Rest der Gehaltsempfänger entfernt.

Wie kam es dazu? Die Gewinne vieler Großunternehmen sind nach oben geschnellt, zudem änderten sich die Maßstäbe der deutschen Chefs: Früher schauten sie nur aufeinander, heute haben sie globale Gehälter im Blick. Allerdings wäre die Entwicklung nicht ohne die zuständigen Aufsichtsräte möglich gewesen, die – selbst besetzt mit vielen aktiven Vorständen anderer Firmen – den Starkult um die Konzernlenker mitgemacht haben.

Das alles wird sich so schnell nicht ändern. Umso mehr gilt: Wenn schon Leistungsgesellschaft, dann richtig! Erfolgreiche Chefs dürfen viel Geld erhalten, erfolglose aber nicht. Am schlimmsten für die Akzeptanz ist es, wenn Männer wie der ehemalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp Abermillionen kassieren, nachdem zuvor unter ihrer Führung Abermilliarden an Börsenwert verloren gingen.

Henning Schulte-Noelle erklärte, wer 50 Millionen Euro verdienen wolle, solle ein Unternehmen gründen. Auch hielt der Exchef der Allianz Gehaltssysteme, "die auf Dauer gesellschaftlich nicht konsensfähig sind, für einen Irrweg". Und sosehr es manch erfolgsarmer Vorstand hoffen mag: Ein riesiges Gehalt für eine durchschnittliche Leistung ist zu keiner Zeit konsensfähig.