So richtig gut ging es Damien Hirst in diesem Jahr nicht. Zwar wurde seine Pillenschrank-Plastik Lullaby Spring im Juni zum weltweit teuersten Kunstwerk eines lebenden Künstlers. Danach aber kam es knüppeldick für den Pop-Art-Star aus Bristol: Sein berühmter Formaldehydhai schrumpelte, der Tank mit eingelegter Kuh samt Kalb verlor Flüssigkeit. Auf den Herbstauktionen erzielten chinesische Newcomer einen Rekordpreis nach dem anderen, während Hirsts Schmetterlingsbilder, Dot-Paintings und Zentrifugenkleckse mehr als einmal unverkauft blieben. Und eine Ausstellung in einem bedeutenden Museum hatte der 42-Jährige immer noch nicht. Vor allem darunter, erzählt man sich in Hirsts Entourage, leide der Künstler sehr.

Deshalb kamen Hirst die Schlagzeilen durchaus recht, die ihm ein mit 8601 Brillanten besetzter, in Platin abgegossener menschlicher Schädel einbrachte. Hirsts Händler, Jay Jopling von der Londoner White Cube Gallery, ließ vor der Ausstellungseröffnung im Juni noch schnell verkünden, allein die Materialkosten für das Werk For the Love of God hätten 28 Millionen Dollar betragen. Und selbst dass Harry Levy, Vizepräsident von London Diamond Bourse and Club, diesen Betrag schon bald auf rund die Hälfte reduzierte, tat der Bedeutung der Plastik keinen Abbruch: Der boomende Kunstmarkt hatte sein glitzerndes Symbol.

Symbolisch fiel auch der Preis aus: Die geforderten 100 Millionen Dollar allerdings schien lange niemand zahlen zu wollen. Erst Ende August hieß es dann, das Geld sei tatsächlich geflossen – von einem anonymen Sammlerkonsortium, cash und ohne Quittung, sodass niemand den angeblichen Preis überprüfen konnte.

Umso größer war die Blamage, als White-Cube-Sprecherin Sara Macdonald wenige Tage später verkünden musste, Hirst selbst – einer der reichsten Künstler der britischen Insel – sei Teil der Käufergruppe gewesen. Von einem Marketing-Bluff war anschließend die Rede. Und von einem Künstler, der mit dem eigenen Bedeutungsverlust nicht zurechtzukommen scheint.

Noch liegt Hirsts Diamantenschädel in einem Banktresor in London. Im April wollen ihn seine neuen Besitzer auf eine Welttournee schicken, die in der Petersburger Eremitage beginnen und dann, so Hirst in einem Interview, "in die besten Museen der Welt" führen soll: "Ich will, dass die Menschen ihn sehen." Nach Abschluss der Werbereise wollen Hirst und seine Investoren das Werk wieder verkaufen.

Der Künstler selbst plant unterdessen, keine weiteren Exemplare des Edelsteinschädels anzufertigen. Andere Körperteile mit Diamanten zu verzieren könne er sich aber durchaus vorstellen: "Vielleicht mache ich mal eine Kniescheibe. Es gibt auch schon drei brillantenbesetzte Kiefer, aber ich weiß nicht, ob sie schon jemand gekauft hat."