Aufbau Literatur Kalender. Zum 41. Mal erscheint dieser Kalender bei Aufbau, dem ehemaligen Edelverlag der DDR. Dort wurde immer auch gekämpft – gegen Zensur und engstirnige Funktionäre. Also erhalten sie hier ihr Ehrenblatt, die widerständigen Autoren: Maxie Wander, Jewgeni Schwarz, Daniil Charms, Reiner Kunze – ohne dass andere Autoren ausgeblendet werden (Stefan George, Hermann Lenz). Was schrieb der gegen Mussolinis Faschismus opponierende Sizilianer Elio Vitorini 1941: »Es ist ein Glück, als Kind gelesen zu haben, Geschichtsbücher, Reisebücher und besonders Tausendundeine Nacht . Einer kann sich an das, was er gelesen hat, erinnern, als hätte er es irgendwie gelebt.« (Aufbau, Berlin; 62 Blätter, 56 farbige Bilder; 17,95 €)

Arche Literatur Kalender. Thema des neuen Jahres: Sehnsucht – also, was alle kennen. Der auch für 2008 wieder schönste, interessanteste, reichste aller Literaturkalender empfiehlt sich am besten selber, mit diesem Gedicht der kurz vor dem Ersten Weltkrieg, 1913, achtzehnjährigen Dichterin Henriette Hardenberg, umschwärmt, auch ihrer Schönheit wegen, von den Dichtern ihrer Zeit. Geboren als Margarete Rosenberg, Tochter eines jüdischen Anwalts in Berlin, wurde auch sie zur Emigration gezwungen. Sie überlebte in einer Buchhandlung in England. Dort starb die schöne alte Dame 1993. »Wir werden // Wir werden herrlich aus Wunsch nach Freiheit./ Der Körper dehnt sich, / Dieses Zerrende nach geahnten Formen / Gibt ihm Über( spannung). / Schwere Hüften schauern sich zu langem Wuchse. / Im Straffen beben wir vor innerem Gefühl – / Wir sind so schön im Sehnen, / daß wir sterben könnten.« (61 Blätter, 55 farbige Fotos; Arche, Zürich/Hamburg; 19,– €)

Kleiner Bruder Gedichtekalender. Im 24. Jahrgang erscheint dieses schöne Lyrikbuch für die Wand, mit je zwei Gedichten zu jedem Monat. Diesmal versammelt Traugott Giesen 25 Dichter vom 15. Jahrhundert bis heute, von Heinrich Laufenberg bis Wolf Biermann, von Mörike bis Rolf Haufs, dazu Unbekanntes von Jürgen-Peter Stössel (geb. 1939; aus dem Manuskript) oder ein eigens für diesen Kalender, kurz vor dem Tode 2006, verfasstes Gedicht von Robert Gernhardt – und ein wahres Kalendergedicht des Barockdichters Paul Fleming (1609–1640): Gedanken über die Zeit mit solchen Versen: »Ihr lebet in der Zeit und kennt doch keine Zeit / … / Die Zeit ist was und nichts, der Mensch in gleichem Falle…« (Mit Vignetten von Ina Seeberg; Langewiesche-Brandt, Ebenhausen; 15,– €)

Fliegende Wörter – Gedicht-Postkarten. 53 Gedichte aus allen Zeiten, allen Literaturen, gedruckt auf bunten Postkarten. Manche möchte man an sich selber schicken, etwa diese von Fu Hsüan (217–278): »Im Gewitter // Der Donner rollte / Und es erbebte ihr Herz. / Sie neigte ihr Ohr / Und lauschte hinaus – / Doch es war nicht / Das Rollen des Wagens.« (Daedalus Verlag, Münster; 56 S., 15,90 €)

Der literarische Katzenkalender. Seit Jahren der Wappenspruch dieses Verlags: »Man kann im Leben auf vieles verzichten, aber nicht auf Katzen und Literatur.« Beweis? Der von Julia Bachstein herausgegebene Kalender, der beide wieder, in Text und Bild, aufs Schönste zusammenbringt, etwa mit diesem Satz des Märchens vom gestiefelten Kater der Brüder Grimm: »Hans betrachtete seinen Kater lange. Dann sagte er seufzend: ›Also schön! Ich weiß zwar nicht, wozu es gut ist, aber du sollst die Stiefel, die du unbedingt haben willst, bekommen.‹« (Schöffling Verlag, Frankfurt a. M.; 56 S., zweifarbig, 19,90 €)

Der literarische Reisekalender. Für Leser, die gern unterwegs sind, doch auch für solche, die lieber in ihren vier Wänden bleiben und jede Woche mit einem der schönen Farbfotos dieses Wochenkalenders und den kurzen Texten dazu auf Reisen gehen, ist dieses literarische Touristikunternehmen ein Erfolg. Was rät schon der Freiherr von Knigge vor zweihundert Jahren: »Um angenehm zu leben, muß man fast immer ein Fremder unter den Leuten bleiben. Dann wird man geschont, geehrt, aufgesucht.« (Hrsg. von Elsemarie Maletzke; Schöffling Verlag, Frankfurt a. M.; 56 S., 22,90 €)