Köln - Es war wie immer eine Veranstaltung voller Glamour und Glitzer. Am vergangenen Freitag trafen sich unten am Rhein im Kölner Luxushotel Maritim Prominente auf der Unicef-Gala, um wie alle Jahre wieder einen Scheck im Format einer Kinoleinwand zu überreichen. Noch bevor Vampir-Ikone Christopher Lee den Betrag von rund 117500 Euro übergab, ergriff Oberbürgermeister Fritz Schramma das Wort und sagte: "Das Herz der Kölner schlägt nach wie vor für Unicef."

Was man bei solchen Gelegenheiten eben so sagt. Die deutsche Sektion von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, wird von einem Skandal erschüttert, wie ihn die Spendenbranche lange nicht mehr erlebt hat. Der Kölner Geschäftsführer Dietrich Garlichs soll einen langjährigen Mitarbeiter großzügig mitbedacht haben. Wäre Unicef ein Wirtschaftsunternehmen, kein Mensch würde sich fragen, wie es geschehen konnte, dass ein ehemaliger Abteilungsleiter nach seinem Ausscheiden aus dem Betrieb als freier Mitarbeiter mit Managementaufgaben betraut wurde und damit zwischen 2005 und 2007 gut eine Viertelmillion Euro verdiente.

Innerhalb der Spendenbranche hält sich die Empörung ebenfalls in Grenzen. Einen Mitarbeiter von außen anzuheuern wäre womöglich noch teurer geworden, sagen Branchenkenner. Auch das Berliner Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), das Hilfsorganisationen zertifiziert und für angemessenen Umgang mit Spendengeld sein Siegel verleiht, findet am Geschäftsgebaren von Unicef nichts auszusetzen. Die Vorwürfe gegen Geschäftsführer Garlichs seien geprüft worden, sagt Geschäftsführer Burkhard Wilke. Es gäbe nichts zu beanstanden. Erst vor zehn Tagen hat das DZI Unicef neuerlich sein Spendensiegel verliehen.

In der Öffentlichkeit aber wirken die Vorwürfe verheerend. In einer Branche, die von der Mildtätigkeit anderer lebt, gehört uneigennütziges Handeln jedenfalls in der Außendarstellung zum Berufsbild. Sechsstellige Gehälter gelten da als unangemessen. Und wenn dann auch noch der Umbau der Organisationszentrale vergleichsweise pompös ausfällt und das dem ohnehin schon umstrittenen Management angelastet werden kann, dann ist das regelrecht geschäftsschädigend.

Die Vorwürfe werden geprüft – bis Anfang nächsten Jahres

Ein anonymer Brief an die überregionale Tageszeitung Frankfurter Rundschau hatte die Welle der Kritik ins Rollen gebracht. Intern waren die Vorwürfe längst bekannt und als wenig schwerwiegend bewertet worden. Die Veröffentlichung der Anschuldigungen jedoch stürzte Unicef in ein heilloses Chaos. Die Unicef-Vorsitzende Heide Simonis, die frühere Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein, empfahl Garlichs spontan, seine Ämter mit sofortiger Wirkung ruhen zu lassen. Am vergangenen Donnerstag reiste sie nach Köln, um sich den Beschuldigten persönlich vorzuknöpfen und den Schaden in dieser besinnlichen Zeit, in der sich Herz und Geldbeutel weit öffnen, möglichst gering zu halten.

Ganz gelungen wirkte dieses Krisenmanagement nicht. Zum einen leitete tags darauf die Kölner Staatsanwaltschaft dennoch ein Ermittlungsverfahren ein. Zum anderen sprach der Unicef-Vorstand Garlichs am Samstag neuerlich das Vertrauen aus, auch wenn das Honorar des umstrittenen Mitarbeiters "den üblichen Rahmen überschritten" habe. Ein unabhängiger Wirtschaftsprüfer soll den Fall genauer prüfen und sein Ergebnis bis Januar vorlegen – nach dem Weihnachtsgeschäft also.