Die Belegschaft im Himmel hat sich im Lauf der Menschheitsgeschichte häufig verändert. Denn »die Götter, an denen wir festhalten, sind die Götter, die wir nötig haben und gebrauchen können«, erkannte vor über hundert Jahren der Religionspsychologe William James. So seien unsere Vorväter vom monarchistischen Denken so geprägt gewesen, »dass ihre Phantasie danach verlangte, ihrem Gott eine Dosis Grausamkeit und Willkür zu geben«. Ein Gott, der dazu nicht in der Lage gewesen wäre, »hätte auf sie gewiss den Eindruck mangelnder ›Souveränität‹ gemacht«. Heute ist eher die emotionale Intelligenz des Allmächtigen gefragt: Liebevoll soll er sein, gütig, friedensfördernd. Götter, die blutige Opfer fordern, sind (zumindest im Westen) völlig aus der Mode. Was war sonst noch en vogue?

Tiergeister und Naturgötter waren vermutlich die ersten Objekte der Anbetung. Jahrtausendelang wurden sie in schamanistischen Ritualen von den Urmenschen beschworen. Für die frühen Jäger und Sammler war der innige Kontakt zur Natur lebenswichtig. Außerdem stärkten die Rituale den sozialen Zusammenhalt und dienten der Abwehr archaischer Ängste.

Menschenähnliche Götter traten auf den Plan, als die Menschheit vor etwa 10000 Jahren sesshaft wurde. Um Städte oder Staaten zusammenzuhalten, waren neue (politische wie religiöse) Hierarchien notwendig. Eine der ältesten Erzählungen ist der Mythos von Gilgamesch, der möglicherweise einen realen Hintergrund hat. Vor gut 4500 Jahren wurde damit vermutlich der Regent der mesopotamischen Stadt Uruk ins Göttliche erhoben. Als Kind der Göttin Ninsun und des Unterwelt-Halbgotts Lugalbanda ist er rechnerisch aber nur ein Dreiviertelgott – und folglich sterblich.

Überväter sind aus vielen Religionen bekannt. In der nordisch-germanischen Mythologie hieß der Hauptgott Odin, im Südgermanischen Wodan. Die zahlreichen überlieferten Beinamen ergeben ein komplexes Bild des »Allvaters«: Er sah schlecht, hatte aber flammende Augen, er ließ Heere erzittern und war ein mächtiger Redner, er war schrecklich und beliebt, wohnte auf einem Berg, sein Bart war grau.

Supermütter hatten es dagegen schwer. Eine der erfolgreichsten war noch Erdmutter Gaia, die im griechischen Götterhimmel zeitweilig als Gegenspielerin von Zeus auftrat. Doch am Ende setzten sich im Olymp Männer durch. Bei den Inka wird dagegen Mama Pacha als Mutter Erde und Fruchtbarkeitsgöttin verehrt. Als Vermittlerin zwischen Ober- und Unterwelt verfügt sie über hervorragende kommunikative Fähigkeiten.

Ein Zugereister avancierte zur obersten Gottheit der Römer. Diese übernahmen viel griechisches Personal und benannten es um. Aus Zeus zum Beispiel wurde der Römer Jupiter, ein Wettergott, der zunächst für Blitz und Donner zuständig war. Eine steile Karriere führte ihn bald an die Spitze des Pantheons.