Haasis weiß: Will er etwas bewegen, muss er in die Gremien. Nach langem Ringen, unter anderem auf einer Halbtagswanderung, auf der er mit Teufel das Für und Wider diskutiert, wird er 1991 Chef des Württembergischen Sparkassen- und Giroverbandes. In den Folgejahren eint er die zersplitterten Sparkassen des Landes. "Klar macht sich Feinde, wer die Sparkasse aus dem badischen Pforzheim mit der aus dem württembergischen Calw verschmilzt", ist zu hören. Meist gibt der Erfolg ihm recht.

Krönung der Reformen ist 1999 die Fusion der SüdwestLB, der Landesgirokasse und der L-Bank zur LBBW, der heute größten Landesbank Deutschlands. Ausgeheckt hat sie eine Runde von vier Männern, die sich sonntags in der verlassenen Villa Reitzenstein, dem Amtssitz des Ministerpräsidenten, treffen. "Die Gespräche blieben vertraulich bis zum letzten Tag", erinnert sich Teufel. "Bockelhart" habe Haasis dabei die Interessen der Sparkassen vertreten, aber eben auch darüber hinausgeschaut.

"Er kämpft mit offenem Visier", sagt Mangold. Unangenehmes bringe Haasis zu Anfang auf den Tisch. "Er lügt nicht. Er legt niemanden aufs Kreuz", versucht Wicker zu erklären, wie Haasis nach so vielen Schlachten noch immer das Vertrauen vieler genießen kann. "Es ist eine Sache, jemanden offen anzulügen. Es ist eine andere Sache, erkennen zu lassen, dass man im Moment nichts sagen kann oder will", sagt Haasis. Was er nicht einhalten kann, sagt er nicht zu. Was er aber zusagt, hält er zuverlässig ein. Herzliche Briefe, um die der distanziert Auftretende kein Aufhebens macht, tun ihr Übriges.

Heinrich … wer? Der Öffentlichkeit ist Haasis wenig bekannt

Trotz IKB, SachsenLB, WestLB – auf die Rolle des Krisenmanagers will sich Haasis nicht reduzieren lassen. Er will die öffentlichen Banken als dritte Säule neben Genossenschaftsbanken und privaten Banken erhalten. Letzteren gilt er darin als zu dogmatisch. Er sagt: "Die Finanzkrise zeigt, wie wichtig der Sparkassensektor ist. Ihn wirtschaftlich und politisch abzusichern, das ist eines meiner wichtigsten Ziele."

Es diente diesem Ziel, als Haasis 2006 – erfolgreich – dafür kämpfte, dass sich auch künftig nur öffentliche Kreditinstitute "Sparkasse" nennen dürfen. Es diente diesem Ziel, als der DSGV im Juni die Mehrheit an der Landesbank Berlin erwarb und so private Interessenten wie die Commerzbank abwehrte. "Für den Verband war jede dieser Fragen wichtiger als die Frage der WestLB", sagt Haasis heute. Für Berlin reiste er von Sparkasse zu Sparkasse, er überzeugte Tausende Funktionäre, sicherte die Finanzierung des Milliardendeals. "Das war brillant", sagt ein Banker. "Das war sein Meisterstück."

Der Öffentlichkeit ist Haasis wenig bekannt. Als sein Name im Sommer häufiger fiel, war die Frage oft: Heinrich … wer? Wenn er im Fall IKB gegen Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann holzt (mit dem er sich gut versteht), wenn er nach der Zusage von erneut 50 Millionen Euro Grenzen erreicht sieht – "Von den Sparkassen und Landesbanken wird es kein Geld mehr geben" –, pflegt Haasis mehr das Selbstbewusstsein derer, die unter ihrem drögen Image leiden. Haasis kennt die Schwächen der Sparkassen. Auch ihre Ertragsschwäche: 2006 verdienten sie weniger als die Deutsche Bank in einem guten Quartal. Haasis weiß auch, dass einigen Landesbanken ein Geschäftsmodell fehlt. Obwohl NRW und Bayern ihre Häuser vorerst aus dem Spiel genommen haben – er kämpft weiter für Fusionen. Erwin Teufel sagt: "Niemand sollte Heinrich Haasis unterschätzen."