Noch eine knappe Woche bis zur Wahl. Im Pariser Hotel Fouquet’s hat der Direktor die Köche, Kellner und Maîtres d’Hotel um sich versammelt. Er gibt bekannt, dass am Sonntagabend der Salon Diane, die Bar Lucien und die Hotelterrasse für einen hohen Gast reserviert sind, „für einen arabischen Prinzen“.

Samstag, Anruf bei allen, die keine Einladungskarte erhalten haben: „Guten Tag, Sekretariat von Cécilia Sarkozy. Sie gibt am Sonntagabend einen Empfang im Fouquet’s, nach Bekanntgabe der Ergebnisse. Sie würde sich freuen, Sie begrüßen zu dürfen.“

Am Wahlsonntag versammelt der Sieger seine Freunde um sich, um ihnen im kleinen Kreis zu danken. Die Gäste warten inzwischen auf der Terrasse des Hotels. Dann endlich kommt der neue Präsident, das Fest ist eröffnet. Er umarmt die anwesenden Männer, wie es Schauspieler oder Amerikaner tun, klopft auf Rücken, schüttelt Hände. Dann steigt er auf ein Podest, das auf der Terrasse aufgebaut wurde, und sagt etwas Erstaunliches: Nicolas Sarkozy widmet seinen Sieg zwei Verstorbenen der Ehefrau eines seiner engen Berater, gestorben wenige Tage nach Weihnachten, und vor allem der Mutter seiner Frau Cécilia, Teresita Albeniz, die alle Diana nennen. Bevor sie starb, hatte sie ihm prophezeit: „Eines Tages wirst du Cécilia ins Élysée führen.“ Er fügt hinzu: „Ich erzähle das, weil sie heute nicht bei uns ist.“ Für eine Sekunde weiß man nicht genau, von welcher der Abwesenden er gerade spricht. „Ich bin Président de la République“, fährt er fort, „und ich wiederhole das für mich selbst, um mich daran zu gewöhnen.“

Seinen Sieg möchte man mit seiner Frau teilen. Aber Sarkozy muss an diesem Abend ohne seine Gattin auskommen. Er ist schon ohne sie zur Wahl gegangen, hat die Ergebnisse ohne sie erfahren, hat Familie und Freunde in der Wahlkampfzentrale in der Rue d’Enghien ohne sie empfangen, ist ohne sie vor die Fotografen getreten und hat ohne sie seine ersten Worte als Präsident gesprochen. Er ist der König, dessen Königin verschwunden ist.

Um 20 Uhr zeigt Mathilde Agostinelli, neuerdings offizielle Vertraute von Cécilia, Nicolas Sarkozy ihr Handy und verspricht: „Sie kommt.“ Auch Cécilias Freundin Isabelle Balkany versichert es immer wieder, nicht ohne Spott: Nicolas, man verlässt keinen Präsidenten. Sie alle wissen, dass ihnen diese SMS, die ihnen Cécilia zuschickt, eine große Macht über den Ehemann geben. Heute Abend sind sie die Botschafterinnen der First Lady.
Gegenüber dem Hotel verfolgen unzählige Kameraobjektive die letzten Ankömmlinge und die ersten Abreisenden. Es fehlt ihnen immer noch das eine Bild, das von der Frau des Präsidenten.

Auf der Place de la Concorde, wo traditionell die Konservativen feiern, frösteln derweil die wartenden Massen. Im Fernsehen wird das Gerücht von einem Tränengaseinsatz gestreut, um die Verspätung von Nicolas Sarkozy zu erklären. In Wahrheit ist rund um das Fouquet’s alles ruhig. Aber: Wie der Menge erklären, dass sie auf einen Mann wartet, der auf eine Frau wartet, die einfach nicht kommen will?

Nicolas Sarkozy hat sich inzwischen mit seinen Söhnen und seinen Stieftöchtern an einem Tisch auf der Terrasse niedergelassen. Er hat das Risotto und die Gambas gegessen, seine Lieblingsspeisen. Die Kinder, alt genug, um selbst zu heiraten, weichen ihm nicht von der Seite, aber das Bild der Familie ist nicht ganz so perfekt wie das Wahlergebnis.

Unmöglich, länger zu warten. Die Fernsehbilder gehen langsam aus, man braucht neue. Die Gäste im Fouquet’s beginnen, sich unwohl zu fühlen. Man erwartet das Zeichen zum Aufbruch in Richtung Place de la Concorde, aber es kommt nicht. Alle merken jetzt, dass etwas nicht stimmt.