Das zu Ende gehende Jahr war erfüllt mit Dingen, die viele Leute verschreckten. Neben dem nassen Sommer und dem Steigen des Benzinpreises haben Deutsche Probleme mit der Erziehung ihrer Kinder: Sie sind zu fett, zu dumm und fernsehsüchtig. Lehrer und Eltern geben sich gegenseitig die Schuld.

Ich bin viel herumgereist in den letzten zwölf Monaten und habe über die Veränderung in Deutschland gestaunt. Unser Land ist deutlich schöner geworden, nämlich grüner. Bäume, die die Kommunen vor 30 Jahren als mickrige Stecklinge in den Boden gesetzt haben, sind groß geworden und bedecken eine Menge von dem, was früher so hässlich war. Wenn Ausländer uns eine irrationale Liebe zu Bäumen nachsagen, so ist das kein Wunder. Wer freute sich nicht über grünes Laubwerk, das den schlechten Geschmack der Häuslebauer verdeckt, trostlose Wohnstraßen in Flaniermeilen verwandelt und schicke Straßencafés entstehen lässt?

Gar nicht mal erstaunlich ist aber, dass unser Land nun endgültig zum Feinschmecker-Paradies geworden ist – jedenfalls in den Bewertungen der Restaurantführer. Der rote Michelin hat sage und schreibe drei neue Restaurants in die Spitzenkategorie befördert! Drei neue Dreisterner in einem Jahr! Das spricht für das hohe Niveau unserer Gastronomie. Es sind das Restaurant Bareiss in Baiersbronn, das Amador in Langen und das GästeHaus in Saarbrücken. Wer hätte das vor 30 Jahren gedacht, als das Tantris in München allein auf weiter Flur stand? Sogar in der Metropole Berlin gibt es nun wieder einen Küchenchef mit zwei Sternen, Christian Lohse vom Restaurant Fischers Fritz im Regent-Hotel.

In diesen illustren Restaurants wird übrigens sehr oft deutscher Wein bestellt, auch das ein Novum. Die Mode des kulinarischen Genusses hatte bisher ausschließlich französische Akzente, und dazu gehörten nicht nur die Foie gras, sondern auch französische Weine. Es ist die Mode von gestern. Die Entwicklung vom Bier- zum Weinkonsum war auch 2007 nicht aufzuhalten. Es war also auch ein Jahr des nationalen Triumphes für die deutsche Gastronomie.

Die Gasthäuser waren beruhigend gut besucht, sogar an wichtigen Fußballabenden hockten die Menschen beim Wein und aßen Bratwürste auf Sauerkraut. Leider findet man das populäre Kraut selten so sauer, wie es der Name erwarten lässt. Ich glaube, sie waschen es vor dem Servieren bei 80 Grad, um jene Fadheit zu erreichen, die der Konsument von Tomaten und Mozzarella gewohnt ist.

Welche Freiräume sich Feinschmecker inzwischen erobert haben, bezeugten die zahlreichen Genuss-Messen, die in vielen mittleren Städten abgehalten wurden, zum Beispiel in Freiburg und Baden-Baden. Da kommen regionale Winzer, Bäcker, Wurstfabrikanten, Käser, Schnapsbrenner, Chocolatiers und andere zusammen und bieten ihre handgemachten Produkte an. Das mag in den Augen anspruchsloser Puritaner eine völlig überflüssige Entwicklung sein. Tatsächlich aber ist es ein großer Schritt auf dem Weg zu mehr Lebensqualität.

Aber noch ist nicht alles Gold, was glänzt. So antwortete mir im Sommer dieses Jahres die Dame am Empfang eines bürgerlichen Hotels in der deutschen Provinz auf die Frage, ob uns jemand beim Gepäck behilflich sein könne: "Wir sind ein Dreisternehotel, wir bieten keinen Service."