TV, Print, Hörfunk und als vierte Säule Internet – dieses analoge Denkmuster gilt bald nicht mehr. Denn: Im Netz wachsen die traditionellen mit neuen Medien in rasantem Tempo zusammen. Der Transport von Medieninhalten und damit die gesellschaftliche Kommunikation wird in nicht allzu ferner Zukunft zu großen Teilen webbasiert erfolgen.

Das Problem vieler aktueller Debatten besteht darin, dass wir von einer digitalen, vernetzten Welt reden, aber noch immer in den Schablonen der analogen Welt denken.

Das Internet ist in den vergangenen Jahren in Windeseile von einem wortlastigen zu einem zunehmend mehr audiovisuellen Massenmedium mutiert. Von daher war und ist es logisch, aber auch notwendig, dass das audiovisuelle Medium Fernsehen dort ebenfalls präsent ist. Abgesehen von einigen Print-Pionieren, allen voran dem Spiegel , waren es die elektronischen Medien, die frühzeitig begonnen haben, ihre Inhalte auch im Netz zu präsentieren. Interessanterweise mit einem zunächst stark textbasierten Angebot, ohne dass dies zu einer grundsätzlichen Debatte in der Öffentlichkeit geführt hätte.

Heute wissen alle, dass die Zukunft aller Medien im Netz stattfindet, und investieren – mal klug, mal riskant – erhebliche Summen. Das ist selbstverständlich ihr gutes Recht. Nicht in Ordnung ist es aber, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit vorgeschobener Argumentation eigene Entwicklungsmöglichkeiten abzusprechen. Von einer "Enteignung der Verleger" durch ARD und ZDF war die Rede im Rundumschlag der Verbandsrhetorik. Was für ein Unsinn! Und wenn ein von mir hoch geschätzter Verleger plötzlich Angst-Attacken bekommt, weil wir in Ergänzung unserer Kochsendungen dazugehörige Rezepte im Netz veröffentlichen, dann beginne ich, mir Sorgen zu machen. Sorgen über den Mangel an Selbstvertrauen auf Verlegerseite.

"Zeitungsverleger und die Verantwortlichen der Privatsender schäumen angesichts solcher Etats, von denen sie nur träumen können", heißt es in einem Artikel vor zwei Wochen in dieser Zeitung . Die Rede ist von den Onlineetats der öffentlich-rechtlichen Sender. Auch hier lohnt ein genauer Blick auf die Wirklichkeit. Für die nächste Gebührenperiode hat das ZDF 12 Millionen Euro pro Jahr für Online angemeldet.

Und die Verlage? Allein die Springer AG hat nach eigenen Angaben 465 Millionen Euro in den Bereich Digitalisierung investiert und will bereits 2010 über 400 Millionen Euro Umsatz erzielen. Im ersten Halbjahr 2007 hat Springer den Umsatz im Onlinegeschäft um 50 Prozent auf 102 Millionen Euro gesteigert und peilt bis Ende des Jahres 200 Millionen Euro an. Holtzbrinck hat allein für den Kauf der Studentenbörse StudiVZ laut Spiegel Anfang des Jahres 85 Millionen Euro hingeblättert. Und der Umsatz von Hubert Burda Media mit seinen digitalen Beteiligungen betrug im vergangenen Jahr 320 Millionen Euro, 65 Millionen Euro wurden investiert.

Die Wettbewerbssituation zwischen Print und TV hat sich, anders als Hubert Burda vor zwei Wochen an dieser Stelle vermutete, nicht geändert. Auf den Märkten der Verleger treten wir auch im Netz nicht an – keine Werbung, kein Sponsoring, Anzeigen oder Ähnliches. Wir konkurrieren allerdings wie bisher mit unseren publizistischen Inhalten um die Aufmerksamkeit des Publikums.