Meckern können wir später. Zunächst sei gelobt. Eric Clapton hat seine Biografie selbst geschrieben. Sie offenbart einen Charakter, samt der prekären Seiten des hoch berühmten Gitarristen. Der Autor spreizt sich nicht, wie es zu fürchten wäre bei einem, den das Fanvolk beizeiten als Gottheit verehrte. Heute gilt Clapton dem Publikum als Elder Statesman des Blues ’n’ Roll, den meisten Kritikern als Schnarchsack und Armani-Rocker. Sein Lebensbuch liest man gern.

1945 wurde er geboren. Erics vermeintliche Eltern sind in Wahrheit seine Großeltern. Die Mutter, nach Kanada entschwunden, sieht der Sohn erstmals mit neun Jahren. Er will die Fremde Mummy nennen. Sie weist ihn ab: Er möge die Großeltern weiterhin als Mum und Dad ansprechen. "In diesem Augenblick fühlte ich mich komplett zurückgewiesen."

Wer mag, kann hier den Schlüssel zu Eric Claptons Bindungsangst finden, zu seinen desaströsen Frauengeschichten und der Sucht nach Asyl im Alkohol. Interessanter ist Claptons Schilderung der englischen Nachkriegsprovinz. Er wuchs auf in Ripley, einem Dorf südwestlich von London; der Groß-Vater war Maurer. Wie der Provinzjunge Eric Eros und Melancholie erfährt, wie er am kleinbürgerlichen Leben krankt, wie ihn die Heilkraft schwarzer Musik erlöst, das schildert Clapton mit einem Sozialgefühl, das dem Buch später abhandenkommt.

Natürlich liest sich Mein Leben streckenweise wie ein Rocklexikon. Natürlich liegt sein Reiz auch im Auftritt der Zelebritäten, die so anarchisch, wildermutig, dauerbrünstig leben, wie es Rockstars geziemt. Noch sind sie ja keine, nur Tanzkapellen-Boys. Clapton spielt mit den Yardbirds Blues und steigt aus, als sie Pop fabrizieren wollen. Pop findet Clapton verächtlich, besonders die Beatlemania, "weil es nur zeigte, dass die Menschen folgsame Schafe waren". Die Beatles hält er zunächst "für einen Haufen Wichser". Jung-Dylan kommt nicht viel besser weg. Claptons schwarze Blues-Heroen kennt kaum einer; meist sterben sie "bettelarm und einsam" irgendwo in Amerika.

Claptons nächste Station war John Mayall, der Father of British Blues. Mayall, zwölf Jahre älter, fungierte als Mentor und Katalysator der Szene. Von Mayall schied Clapton im Argen, als er mit Jack Bruce und Ginger Baker Cream formierte, die Urmutter aller Power-Trios. Cream trug ihm Weltruhm ein, verkam aber, so empfand es Clapton, zu lärmender Egomanie. Drei selbstgefällige Virtuosen produzierten Leerlauf. "Auf unserer Reise durch Amerika lernten wir eine Menge kraftvolle und einflussreiche neue Musik kennen, (…) und mir kam es vor, als ob wir nichts daraus lernten." Jetzt formierte er mit Baker, Rick Grech und dem Wunderkind Steve Winwood die nächste Superband, Blind Faith, die nach nur einem Album die Hufe hob. Viel besser als das eigene Ensemble gefiel nämlich Clapton seine Tour-Vorband, Delaney, Bonnie & Friends, aus der dann Derek & The Dominos entstanden. Derek, das war Clapton. Das Doppelalbum Layla And Other Assorted Love Songs enthielt jenes unsterbliche Riff, um dessentwillen E.C., trotz gar manch irdischer Missetat, dereinst in den Himmel kommen wird. Eins freilich verschweigt sein Buch: Erfunden hat das Intro der längst verewigte Duane Allman.

Dann der Zusammenbruch. Clapton vertilgte Apotheken von Drogen und soff bodenlos. Der gefallene Star erzählt seine Niederlagen mit drastischer Pein. Kein musikalischer Absturz übertrifft jene Szene, als Clapton volltrunken fischen geht, hinschlägt und seine Angel zerbricht. "Die beiden Angler, die das beobachtet hatten, wandten sich verlegen ab."