Er hatte ihn einfach drauf, diesen angenehmen Plauderton, den es braucht, ein Publikum zu unterhalten. Und man sah ihm an, wie viel Vergnügen ihm das bereitete. Kein Wunder also, dass er ein beliebter Gast in Gesprächsrunden und auf gesellschaftlichen Events war – man wusste eben, dass mit ihm nichts schiefgehen konnte. So lieferte er köstliche Bonmots, wusste interessant zu erzählen, und wenn man Glück hatte, brachte er gleich mit den ersten Worten alle zum Lachen. Der Klang eines Lachens sei für ihn "die kultivierteste Musik der Welt", sagte er und strahlte das selber aus: eine Form tief begründeter Heiterkeit, die Herzen öffnen kann – weil sie authentisch ist. In seiner Nähe, und sei sie nur medial vermittelt, konnte man gar nicht anders, als sich wohlzufühlen. Eine Gabe, die er nicht nur für sich und seine Karriere nutzte, sondern dazu, "Brücken zwischen den Menschen zu bauen".

Dabei besaß er neben dem Talent zum Entertainer jede Menge weitere. Eines für Sprachen, die er mühelos erlernte, sieben beherrschte er fließend; eines zum Spielen, das ihn populär machte; eines zum globalen und analytischen Denken, das ihm mit den Jahren immer wichtiger wurde. Kosmopolit war er von Geburt an gewesen, "in Leningrad gezeugt, in London geboren, in Schwäbisch Gmünd getauft", wie er verriet. Später wurde er immer mehr zum Sinnbild des Weltbürgers schlechthin – wohl auch, weil ihn die Vision von einer besseren und gerechteren Welt antrieb: "Am unerträglichsten finde ich, dass es Armut in reichen Ländern und reiche Menschen in armen Ländern gibt. In beiden Fällen sind sie fehl am Platz."

Bestimmt hat er viel Elend mit ansehen müssen bei seinen Reisen um den Globus. Seinen heiteren Habitus behielt er trotzdem. Das Leben sei zu kurz, um sich mit Pessimismus zu belasten. Lieber versuchte er, die Welt bis in ihren letzten Zipfel hinein etwas wohnlicher zu machen. Praktisch und theoretisch: Noch kurz vor seinem Tod gründete er ein Institut mit dem Ziel, die Toleranz unter den Völkern zu fördern und damit "einem der größten Schurken in der Besetzungsliste der Geschichte" das Handwerk zu legen. Als Angehöriger einer Generation, die Hass, Gewalt und deren Folgen erlebt hatte, war ihm das zu einem Leitmotiv geworden. Denn er wusste: "Erst dann wird etwas böse, wenn es nicht mehr komisch ist."

Herrlich komisch konnte er selber sein, wenn er in die Haut anderer, dann auch mal durchaus zwiespältiger Charaktere schlüpfte und etwa auf Glas- und sonstigen Dächern oder auf Schiffsplanken umherspazierte. Seit er das Spielen als einen Beruf entdeckt hatte, erarbeitete er sich parallel sein zweites Metier. Die Uraufführung eines seiner Bühnenstücke erlebte er nach seiner ersten Eheschließung, da war er gerade 19. Zehn Jahre hielt die Verbindung mit einer Kollegin, aus der eine Tochter hervorging, siebzehn Jahre die zweite und bis zu seinem Tod dann die dritte Ehe.

Seine Gefährtin der späten Jahre teilte mit ihm die Liebe zum Schreiben, und das, sagte er, machte ihn im Stillen glücklich. Hier probierte er sich aus. Drehbuch und Short Story, Sachbuch und Autobiografie, jedes literarische Format schien ihm zu liegen. So inszenierte sich der mittlerweile vierfache Vater als eine Art Gesamtkunstwerk, das in immer wieder neuen Farben leuchtete – und blieb bei allen Preisen und Ehrentiteln, die man ihm verlieh, doch erfrischend uneitel.

Wer war’s?

Frauke Döhring

Lösung aus Nr. 49:
Jakob Fugger (1459–1525) war schon zum Kanonikus geweiht, als er 1479 in das Familienunternehmen eintrat, das er ab 1511 allein leitete. Sein Glück machte er mit dem Tiroler Herzog Sigmund, der ihm gegen Kredite immer mehr Anteile an Silber- und Kupferbergwerken überließ. In der Verbindung mit Kaiser Maximilian und dessen Enkel Karl, dessen Wahl zum Kaiser er finanzierte, weitete er Bergwerksgeschäft und Metallhandel auf Kärnten, Ungarn und Spanien aus. Ungarn wehrte sich gegen sein Kupfermonopol